Dienstag, 29. Januar 2019 19:00 Uhr

Unterbelichtet? Die unbekannten Dimensionen des Novemberterrors 1938

Vortrag: Sven Felix Kellerhoff, Berlin
Moderation: Dr. Ulrich Baumann, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Begleitprogramm zur Ausstellung „‚Kristallnacht’ – Antijüdischer Terror 1938”

(Gemeinsam mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas)

Das heutige Bild des Novemberterrors 1938 wird häufig von den Vorgängen in Berlin und einigen anderen großen Städten wie München oder Essen dominiert. Doch die antisemitischen Übergriffe der „Reichskristallnacht” fanden reichsweit und bis in die Provinz hinein statt. Die Novemberpogrome waren die Zäsur zu einer neuen Qualität und Intensität der Verfolgung.
In seinem Buch Ein ganz normales Pogrom. November 1938 in einem deutschen Dorf (2018) macht Sven Felix Kellerhoff auf der Basis von Quellenfunden aus dem Jahr 2008 deutlich, dass gerade der Blick in ein Dorf die erschreckende Normalität des Judenhasses in der Zeit des Nationalsozialismus sichtbar macht. Am Beispiel des rheinhessischen Weindorfes Guntersblum zeigt er, dass sich hier Opfer und Täter kannten und eng zusammenlebten. Er berichtet, wie der Antisemitismus sich ausbreitete, wie die Situation ab 1933 eskalierte, was im November 1938 genau geschah und dass die Vergangenheit den Ort bis heute nicht loslässt. Im Podiumsgespräch wird auch die in der Sonderausstellung „‚Kristallnacht’ – Antijüdischer Terror 1938” gezeigte Bildserie aus Guntersblum analysiert und danach gefragt, wie es auch heute noch zu bisher unbekannten Quellenfunden kommen kann.

Sven Felix Kellerhoff, 1971 geboren, ist Leitender Redakteur für Zeit- und Kulturgeschichte der WELT. Nach einem Studium der Zeitgeschichte, Alten Geschichte und des Medienrechts durchlief er verschiedene journalistische Stationen. Er hat diverse Bücher zur Geschichte des Nationalsozialismus vorgelegt, darunter „Kristallnacht”. Das Novemberpogrom 1938 und die Verfolgung der Berliner Juden 1924 bis 1945 (2008/2018), Berlin im Krieg. Eine Generation erinnert sich (2011), „Mein Kampf”. Die Karriere eines deutschen Buches (2016), Die NSDAP. Eine Partei und ihre Mitglieder (2017) und Ein ganz normales Pogrom. November 1938 in einem deutschen Dorf (2018).

Ulrich Baumann ist stellvertretender Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und Kurator der Ausstellung „‚Kristallnacht’ – Antijüdischer Terror 1938”.