Dienstag, 25. September 2018 19:00 Uhr

„Ein Armeekorps der inneren Front” – Roland Freisler und der Volksgerichtshof

Vortrag: Thomas Clausen, Cambridge
Moderation: Prof. Dr. Bernward Dörner, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Begleitprogamm zur Sonderausstellung „Der Volksgerichtshof 1934–1945. Terror durch ‚Recht’”

Im August 1942 wurde der Jurist Dr. Roland Freisler (1893–1945) zum Präsidenten des Volksgerichtshofs ernannt. Unter seiner Amtsführung entwickelte sich das nationalsozialistische Gericht endgültig zu einem Terrortribunal. Freisler, der sich selbst als „politischer Soldat Hitlers” bezeichnete, zog die Mehrzahl der Fälle an seinen Senat und ließ es an juristischer Neutralität fehlen. Urteile standen oft bereits vor der Verhandlung fest. Während seiner Präsidentschaft war jedes zweite Urteil ein Todesurteil.
In seinem Vortrag beschreibt Thomas Clausen den Werdegang Freislers, der zunächst als Rechtsanwalt arbeitete, 1925 in die NSDAP eintrat, ab 1933 Staatssekretär im preußischen Justizministerium und ab 1934 im Reichsjustizministerium war. Analysiert wird das Selbstverständnis Freislers, dessen Absicht es war, die Justiz zu einem schlagkräftigen „Armeekorps der inneren Front” umzugestalten und dem es ab 1942 als Vorsitzender der Prozesse um die gezielte Demütigung der Angeklagten ging. Clausen fragt auch nach der strafrechtlichen Verfolgung von ehemaligen Angehörigen des Volksgerichtshofs in der Bundesrepublik und der DDR.

Thomas Clausen, 1990 geboren, absolvierte ein Studium der Geschichte an der University of Cambridge. Für seine Masterarbeit wurde er mit dem Quentin-Skin-ner-Preis ausgezeichnet. Er war Assistent für das Political Thought and Intellectual History Seminar in Cambridge und promoviert dort als Gates Scholar mit einer Studie zu Roland Freisler und dem Zusammenhang von Recht und Terror im Nationalsozialismus.