Dienstag, 11. Juni 2019 19:00 Uhr

Die „Judenfrage” im Bild. Der Antisemitismus in nationalsozialistischen Fotoreportagen

Vortrag: Dr. Harriet Scharnberg, Hamburg
Moderation: Prof. Dr. Michael Wildt, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Gemeinsam mit dem Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin)

Der Fotojournalismus befand sich in seiner ersten Blütezeit, als die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht gelangten. Bilder eroberten die Tages- und Wochenzeitungen. Die Illustrierten, die wichtigsten Medien des fotojournalistischen Diskurses, erreichten ein Millionenpublikum. Die Nationalsozialisten richteten eine Bildpresselenkungsstelle ein und nutzten die Fotos für eine gezielte Bildpolitik.
In ihrer Studie Die „Judenfrage” im Bild. Der Antisemitismus in nationalsozialistischen Fotoreportagen (2018) analysiert Harriet Scharnberg auf breiter Quellenbasis die nationalsozialistische Bildpolitik zur sogenannten Judenfrage, zum jüdischen Leben im Reich, in den besetzten Gebieten und den verbündeten Staaten. Im Fokus steht der Zeitraum zwischen den Novemberpogromen 1938, als die illustrierte Presse erstmals zu einer antisemitischen Propagandakampagne verpflichtet wurde, und der „Endlösung” 1942/43, als die „Judenfrage” systematisch aus der Presse verbannt wurde. An vielen Beispielen wird gezeigt, wie die NS-Bildpresse verschiedene Visualisierungsstrategien entwickelte, um abzuwiegeln, zu täuschen und zu verzerren.

Harriet Scharnberg ist Projektleiterin bei einer Unternehmensberatung für Bildarchiv-Management. Sie absolvierte ein Studium der Geschichte und Politikwissenschaft in Hamburg und Toruń, arbeitete als Fotoarchivarin für die KZ-Gedenkstätte Neuengamme und als wissenschaftliche Mitarbeiterin für die Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges” des Hamburger Instituts für Sozialforschung. Zu ihren Aufsätzen gehören Das A und P der Propaganda. Associated Press und die nationalsozialistische Bildpublizistik (2016) und Vom „jüdischen Slum” zum „jüdischen Staat”. Ghettobilder in der NS-Bildpresse (erscheint demnächst). Mit der vorliegenden Studie wurde sie am Institut für Geschichte der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg promoviert. 2017 erhielt sie den Preis „Zeitgeschichte digital”.

Michael Wildt, 1954 geboren, ist Professor für Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert mit Schwerpunkt im Nationalsozialismus an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er hat zahlreiche Studien zur Geschichte der Gewalt und zum nationalsozialistischen Terror vorgelegt.