Dienstag, 5. Februar 2019 19:00 Uhr

Der Fall Globke. Propaganda und Justiz in Ost und West

Vortrag: Dr. Klaus Bästlein, Berlin
Moderation: Prof. Dr. Dr. Ingo Müller, Berlin

Topographie des Terrors Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Gemeinsam mit dem Metropol Verlag)

Der Jurist Hans Globke (18981973) kam 1931 ins Preußische Innenministerium, das 1934 mit dem Reichsinnenministerium vereinigt wurde. Globke verfasste nicht nur den wichtigsten Kommentar zu den NS-Rassengesetzen, sondern schuf auch jene Verordnungen, die der Deportation der Juden den Weg bereiteten. In der Nachkriegszeit machte ihn Adenauer zum Chef des Bundeskanzleramts. Als solcher bestimmte Globke die Personalpolitik in Bonn und kontrollierte die westdeutschen Geheimdienste. Mit dem Rücktritt Adenauers 1963 schied auch Globke aus dem Amt.
In seiner Studie Der Fall Globke. Propaganda und Justiz in Ost und West (2018) führt Klaus Bästlein aus, dass Globke nicht nur für die Integration der NS-Eliten in fast alle Bereiche der bundesdeutschen Gesellschaft stand, sondern auch Propaganda-Attacken der DDR gegen die „Kontinuität faschistischer Herrschaft” auslöste. Sein Fall verdeutlicht das Scheitern der Strafverfolgung von NS-Verbrechen in der Bundesrepublik. Das Oberste Gericht der DDR verurteilte Globke 1963 in Abwesenheit wegen „in Mittäterschaft begangenen fortgesetzten Kriegsverbrechens und Verbrechens gegen die Menschlichkeit in teilweiser Tateinheit mit Mord” zu lebenslangem Zucht-haus. Das bemerkenswerte Urteil ist jedoch kaum bekannt.

Klaus Bästlein, 1956 geboren, ist als Historiker und Jurist tätig. Von 2008 bis 2018 war er Referent für politisch-historische Aufarbeitung beim Berliner Beauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften, Geschichte und Skandinavistik war er zunächst Mitarbeiter bei der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, später an der Justizbehörde Hamburg und der Senatsverwaltung für Justiz in Berlin und ab 2000 in Projekten an der Freien Universität Berlin und der Universität Karlsruhe tätig. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen zur NS-Justiz und zur Strafverfolgung von NS-Verbrechen vorgelegt. 2018 wurde er Vorstandsmitglied der niederländischen Stiftung zur wissenschaftlichen Untersuchung von NS-Verbrechen.

Ingo Müller, 1942 geboren, ist Professor i.R. für Straf- und Strafprozessrecht an der Hochschule der Polizei Hamburg. Sein Buch Furchtbare Juristen (1987) ist ein Standardwerk.