Scherwitz. Der jüdische SS-Offizier
Auf der Basis intensiver Archivrecherchen und unter Einbezug von Zeitzeugen- und Prozeßberichten nähert sich Anita Kugler der Biographie eines Mannes, der 1948 als mutmaßlicher Kriegsverbrecher verhaftet wurde. Zu dieser Zeit war Dr. Eleke Scherwitz Regionalleiter für die Betreuung der Opfer des Nationalsozialismus in Oberschwaben - während der NS-Zeit hatte er das KZ-Außenlager „Lenta” in Riga geleitet. Scherwitz wurde vorgeworfen, im Herbst 1944 drei jüdische Häftlinge auf der Flucht erschossen zu haben. Nach drei Prozessen ohne Beweise verurteilte ihn 1950 das Schwurgericht München wegen Totschlags zu sechs Jahren Gefängnis. Seine angeblich jüdische Herkunft wurde ihm strafverschärfend angelastet. Er starb 1962. Sein Name und seine Herkunft bleiben unklar, er selbst hat sich nach dem Krieg als überlebender Jude ausgegeben. Heute fordern ehemalige Häftlinge des Lagers „Lenta” seine Rehabilitierung, darunter auch solche, die ihn damals belastet hatten. Viele haben in dem ehemaligen Lagerleiter ihren „Lebensretter” gesehen.
Zur Person:
- in Thüringen geboren
- Buchhändlerlehre in Ulm
- Studium der Politischen Wissenschaften und der Neueren Geschichte in Göttingen, Detroit und Berlin
- 1989-1999 Redakteurin bei der taz, Ressort „Politisches Buch”
- bis 2004 Arbeit an dem Buch über Scherwitz
- lebt in Berlin
- Veranstaltungsort
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Bibliothek der Stiftung Topographie des Terrors | Stresemannstr. 111 | 10963 Berlin-Kreuzberg