Dienstag, 18. Oktober 2022 19:00 Uhr

Gehörlose Menschen in der NS-Volksgemeinschaft (Vortrag in Gebärdensprache mit Übersetzung in Lautsprache)

Begrüßung: Sebastian Schlingheider, Stiftung Topographie des Terrors
Vortrag: Helmut Vogel, Frankfurt/M.
Moderation: Dr. Sylvia Wolff, Berlin

Die Teilnahme ist vor Ort (mit Anmeldung) oder per Livestream möglich:

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

www.topographie.de/livestream/
Der Stream ist anschließend 14 Tage abrufbar.

Im Frühjahr 1931 wurde in der Berliner NSDAP eine Ortsgruppe für gehörlose und schwerhörige Menschen gegründet. Nur wenige Monate später entstand die erste Gehörlosen-Truppe in der SA. Kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten beschloss auch der größte deutsche Gehörlosenverein, der Reichsverband der Gehörlosen Deutschlands (ReGeDe), seinen Anschluss an das neue System und wurde der nationalsozialistischen Volkswohlfahrt angegliedert. Insbesondere mit der Idee der NS-Volksgemeinschaft verbanden nicht wenige gehörlose Menschen die Hoffnung auf eine zuvor nicht dagewesene Anerkennung als gleichwertige Mitglieder der Gesellschaft. Ihre Hoffnungen wurden schnell enttäuscht. Das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses” ordnete die Sterilisierung aller taub geborenen Menschen an. Gehörlose wurden unumstößlich als minderwertige Menschen markiert und ungefähr 15.000 gehörlose Kinder und Erwachsene bis 1945 zwangssterilisiert. Jüdische Gehörlose und Gehörlose mit einer geistigen Behinderung starben entweder im Konzentrationslager oder in Tötungsanstalten. In seinem Vortrag gibt der gehörlose Historiker Helmut Vogel einen Überblick über die Geschichte tauber Menschen im Nationalsozialismus.

Helmut Vogel, 1969 geboren, lebt als freiberuflicher Dozent in Frankfurt/M. und ist Präsident des Deutschen Gehörlosen-Bundes e. V. (DGB). Er studierte Erziehungswissenschaften, Geschichte und Gebärdensprache an den Universitäten Hamburg und Wien. 2008 gründete er das Geschichtsbüro Deaf History Now. Er hat diverse Artikel veröffentlicht. Im Kontext des Berliner Themenjahrs 2013 „Zerstörte Vielfalt. Berlin 1933–1938–1945” erstellte er den Film Die Gehörlosen in der NS-Zeit

Sylvia Wolff, 1964 geboren, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Rehabilitationswissenschaften der Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftlichen Fakultät an der Humboldt-Universität Berlin.

Der Vortrag wird in Gebärdensprache gehalten und von Dolmetschenden in die Lautsprache übersetzt. Die Veranstaltung ist für gehörlose und hörende Menschen barrierefrei.

Für die Teilnahme an dieser Veranstaltung bitten wir um Anmeldung bis 13. Oktober: veranstaltungen@topographie.de (Telefon 030 254509-0)