Dienstag, 11. Januar 2022 19:00 Uhr

Enge. Kälte. Dunkelheit. Wohnungsnot, Entvölkerung und Stadtzerstörung als europäische Besatzungserfahrungen im Zweiten Weltkrieg

Vortrag: Prof. Dr. Tatjana Tönsmeyer, Wuppertal
Moderation: Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum, Berlin

Livestream:
https://www.topographie.de/livestream/

Vortragsreihe „Alltag unter deutscher Besatzung in Europa 1939–1945”

(Gemeinsam mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, konzipiert mit Prof. Dr. Tatjana Tönsmeyer, Historisches Seminar, Bergische Universität Wuppertal)

Krieg und Besatzung veränderten den Alltag von Millionen von Menschen in Europa tiefgreifend. Das zeigt sich auch an einem bisher wenig untersuchten Gegenstand, dem Wohnen: Kriegszerstörungen ließen Städte schrumpfen, und auch Fluchtbewegungen veränderten die Einwohnerschaft. Dadurch fanden sich die Einheimischen an Stationierungsorten der Wehrmacht nicht selten in der Minderheit wieder. Beschlagnahmungen führten dazu, dass Menschen enger zusammenrücken mussten. Kriegswirtschaftliche Auflagen verboten die Reparatur von Bombenschäden. Zudem zwangen Einquartierungen Menschen dazu, sich mit den Besatzern unter dem eigenen Dach zu arrangieren.
In ihrem Vortrag zeigt Tatjana Tönsmeyer, dass Besatzung Auswirkungen auch auf die private häusliche Sphäre hatte, dass Rückzugsorte rar wurden und dass Enge, Kälte und Dunkelheit oft das Leben der Menschen prägten. Dies gilt in besonderer und zugespitzter Weise für die jüdische Bevölkerung, für die der Wohnungsverlust eine Etappe der Verfolgung auf dem Weg zur Ermordung darstellte.