Dienstag, 16. Oktober 2018 19:00 Uhr

„Weiheraum” – Ein Roman über Täter und Opfer des Volksgerichtshofs

Der Autor Prof. Dr. Klaus Marxen, Berlin,
im Gespräch mit Prof. Dr. Peter Steinbach, Berlin

Begleitprogamm zur Sonderausstellung „Der Volksgerichtshof 1934–1945. Terror durch ‚Recht’”

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Wie kommt es dazu, dass aus einem Lehrersohn aus Jüterbog ein Staatsanwalt am nationalsozialistischen Volksgerichtshof wird? Wie kann es sein, dass ein Todesurteil den Lebensweg einer jungen Tschechin aus Südmähren enden lässt, die aus familiärer Fürsorge und Hilfsbereitschaft gehandelt hat? Was wird aus ihrem ungeborenen Kind? Wie fühlt sich der Vater eines adoptierten Kindes, der nicht weiß, ob es von einer Mutter stammt, an deren Tötung er mitgewirkt hat? Wie verhält sich der Mittäter einer Unrechtsjustiz, den eine Justiz zur Rechenschaft zieht, die ebenfalls das Recht bricht?
In seinem Roman Weiheraum (2015), der die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts um­spannt, knüpft Klaus Marxen an tatsächliche Geschehnisse an und verdichtet sie zu einer Geschichte. Im Gespräch mit Peter Steinbach wird das Verhältnis von Wirk­lichkeit und Wahrheit in dem Roman beleuchtet. Im Zentrum steht die Auseinander­setzung mit der Frage nach dem in totalitären Systemen praktizierten „Unrecht im Gewand des Rechts”.

Klaus Marxen, 1945 geboren, Professor i. R. für Strafrecht, Strafprozessrecht und Rechtsphilosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin, von 1996 bis 2007 Richter am Kammergericht Berlin, hat sich mit dem nationalsozialistischen Volksgerichtshof in zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen befasst, darunter Das Volk und sein Gerichtshof (1994), Terror und „Normalität”. Urteile des nationalsozialistischen Volksgerichtshofs 1934–1945. Eine Dokumentation (2004, zus. mit Holger Schlüter) sowie jüngst auch in dem Roman Weiheraum (2015). Er war Berater der Ausstellung „Der Volksgerichtshof 1934–1945” und ist im Begleitband mit dem Aufsatz Der nationalsozialistische Volksgerichtshof: Geschichte und Gegenwart vertreten.

Peter Steinbach, 1948 geboren, ist Professor i. R. für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Mannheim und Wissenschaftlicher Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Er war Berater der Ausstellung „Der Volksgerichtshof 1934–1945” und ist im Begleitband mit dem Aufsatz Der Volksgerichtshof und die Verfahren gegen die Regimegegner vom 20. Juli 1944 vertreten.