Dienstag, 12. März 2019 19:00 Uhr

Tatort Sachsenhausen. Strafverfolgung von KZ-Verbrechen in der Bundesrepublik Deutschland

Vortrag: Dr. Stephanie Bohra, Berlin
Moderation: Prof. Dr. Günter Morsch, Oranienburg

Topographie des Terrors Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Gemeinsam mit dem Metropol Verlag)

Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurden in den Konzentrationslagern zahllose staatlich legitimierte Gewaltverbrechen an Menschen verübt. Allein im KZ Sachsenhausen kamen mehrere Zehntausend ums Leben. Die strafrechtliche Aufarbeitung der Verbrechen durch die deutsche Justiz begann bereits 1945/46 und ist bis heute nicht abgeschlossen.
In ihrer Studie Tatort Sachsenhausen (2019) beleuchtet Stephanie Bohra die Strafverfolgungspraxis bei KZ-Verbrechen in den westlichen Besatzungszonen und der Bundesrepublik Deutschland. Hierfür analysiert sie die zwischen 1946 und 1996 geführten Strafverfahren zum KZ Sachsenhausen und zeichnet nach, welche gesellschaftlichen, politischen und rechtlichen Faktoren die Strafverfolgung hemmten und beförderten. Infolge einer zunehmenden Professionalisierung der Ermittlungsarbeit wurden zahlreiche Gewaltverbrechen im KZ Sachsenhausen aufgedeckt. Dennoch scheiterten viele Verfahren im Ermittlungsstadium, und auch die Verurteilungsbilanz der Gerichte blieb dürftig. Die Strafbarkeit der KZ-Täter ergab sich nicht aus ihrer Funktion und den damit verbundenen Aufgaben. Vielmehr musste ihnen eine konkrete Tat und ein eigener Täterwille nachgewiesen werden. Gerade Letzteres war eine subjektive Ermessensfrage, die von den Gerichten unter Verwendung schuldbefreiender Rechtsfiguren oft zugunsten der Täter beantwortet wurde.

Stephanie Bohra, 1975 geboren, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung Topographie des Terrors. Nach einem Studium der Geschichts- und Erziehungswissenschaften an der Freien Universität Berlin war sie viele Jahre an der Gedenkstätte und dem Museum Sachsenhausen in der Bildungsarbeit und in Ausstellungsprojekten tätig. Mit der vorliegenden Studie wurde sie am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin promoviert. 

Günter Morsch, 1952 geboren, ist Honorarprofessor am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin und war bis Mai 2018 Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und Leiter der Gedenkstätte und des Museums Sachsenhausen.