Donnerstag, 11. Oktober 2018 19:00 Uhr

NS-Täter in der Geschichtsschreibung der SBZ und DDR bis in die 1960er-Jahre

Vortrag: Dr. Fabian Wendler, Berlin
Moderation: Dr. Gabriele Camphausen, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Gemeinsam mit dem Metropol Verlag)

In seiner 2017 publizierten Studie analysiert Fabian Wendler die Darstellungen von NS-Tätern in der Geschichtsschreibung der SBZ und DDR bis in die 1960er-Jahre. Während zur Zeit der sowjetischen Besatzungsherrschaft (1945–1949) noch verschiedene Täter(typen) und Tätergruppen sowie Fragen nach Schuld und Verantwortung der deutschen Mehrheitsbevölkerung thematisiert wurden, dominierten seit den 1950er-Jahren in der ostdeutschen Historiographie ab- und ausgrenzende Täterkonstruktionen. Diese wertet der Autor nicht nur als Formen des in West- wie Ostdeutschland unternommenen Versuchs, Distanz zum Nationalsozialismus, zu den NS-Verbrechen und den NS-Tätern herzustellen, sondern zugleich als Arbeit am antifaschistischen Mythos der DDR. Zu dem Bemühen, die nationalsozialistische Vergangenheit aus der eigenen Geschichte zu verdrängen, gehörten auch die systematischen Personenkampagnen der DDR gegen die Bundesrepublik ab Ende der 1950er-Jahre.

Fabian Wendler, 1982 geboren, ist als Lehrer in Berlin tätig. Er studierte Sozial-kunde und Deutsch an der Freien Universität Berlin sowie Holocaust Communication and Tolerance und Jewish Studies with Concentration in Holocaust Studies am Touro College Berlin. Er war mehrere Jahre Lehrbeauftragter am Institut für Deutsche und Niederländische Philologie der Freien Universität Berlin. Mit der vorliegenden Studie wurde er im Fach Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin promoviert.

Gabriele Camphausen, 1957 geboren, Historikerin, ist Fachbereichsleiterin Ausstellungen und Schwerpunktstudien beim Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR.