Dienstag, 11. Dezember 2018 19:00 Uhr

„… für ein Leben ohne Menschenhass” – Die Verfolgung der „Europäischen Union” 1943/44

Die Widerstandsgruppe „Europäische Union” 1943/44
Vortrag: Dr. Claudia Steur, Berlin

Zeugnisse und Dokumente zur „Europäischen Union”
Lesung: Ruth Reinecke, Berlin

Moderation: Prof. Dr. Andreas Nachama, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg

Eintritt frei

(Gemeinsam mit der Gedenkstätte Deutscher Widerstand)

Im Juli 1943 gründeten Georg Groscurth, Robert Havemann, Herbert Richter und Paul Rentsch in Berlin die Widerstandsgruppe „Europäische Union”. Sie strebte für die Zeit nach dem „Dritten Reich” eine sozialistische Gesellschaftsordnung Europas an und half politisch und rassisch Verfolgten. Die Widerstandsgruppe war als Netzwerk relativ selbständig agierender Einzelgruppen organisiert, zu denen zahlreiche ausländische Zwangsarbeiter gehörten. Anfang September 1943 verhaftete die Gestapo einen Teil der Gruppe, unter ihnen die vier Gründer, im Oktober den Kern der Zwangsarbeitergruppen um Konstantin Zadkevic. Die führenden Mitglieder der „Europäischen Union” wurden im „Hausgefängnis” der Gestapo-Zentrale in der Prinz-Albrecht-Straße 8 inhaftiert. Ab Dezember 1943 verurteilte der Volksgerichtshof in insgesamt 13 Prozessen 40 Personen der Gruppe und verhängte 14 Todesurteile. Weitere Mitglieder wurden vor anderen Gerichten angeklagt.
In ihrem Vortrag gibt Claudia Steur einen Überblick über die Entstehung der „Europäischen Union”, ihr Wirken und ihre Verfolgung durch Gestapo und Volksgerichtshof 1943/44. Ruth Reinecke liest aus verbliebenen Zeugnissen und Dokumenten, die vor, während und nach der Haftzeit entstanden sind.

Claudia Steur ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Ausstellungskuratorin der Stiftung Topographie des Terrors. In der von März bis Oktober 2018 im Dokumenta­tionszentrum präsentierten Ausstellung „Der Volksgerichtshof 1934–1945. Terror durch ‚Recht’” hat sie auch die Geschichte der Widerstandsgruppe „Europäische Union” thematisiert.

Ruth Reinecke ist Mitglied im Ensemble des Maxim Gorki Theaters, Berlin. Sie wirkt außerdem regelmäßig in Film- und Fernsehproduktionen mit, u. a. in der ARD-Produktion „Weißensee”.

Andreas Nachama ist Direktor der Stiftung Topographie des Terrors.