Dienstag, 7. Januar 2020 19:00 Uhr

Europa und die Anderen

Begrüßung: Dr. Andrea Riedle, Direktorin der Stiftung Topographie des Terrors, Berlin
Vortrag: Prof. Dr. Jürgen Kocka, Berlin
Moderation: Prof. Dr. Etienne François, Berlin

Eröffnungsvortrag der Veranstaltungsreihe „Europa – Visionen und Praxis im 20. und 21. Jahrhundert”

Anmeldung erforderlich: veranstaltungen(at)topographie.de

Der Begriff und die Identität Europas konnte und kann sich nur durch Absetzung von Anderen entwickeln. Wo verliefen und verlaufen die Grenzen? Andererseits hat sich Europa immer viel von den Anderen geholt, angeeignet und anverwandelt. Das Andere ist Teil von Europa. Europäer haben die Gesellschaften und Kulturen anderer Kontinente tief beeinflusst, geprägt und beherrscht. Wieweit reichte und reicht die Europäisierung der Welt – mit überlegener Gewalt, durch die Wirkung als Vorbild, durch grenzüberschreitenden Austausch und Verflechtung? Wie abhängig war und ist Europa von Anderen? Der Ort Europas in der Welt hat sich tiefgreifend gewandelt. Lässt sich das Besondere Europas aus seinem Verhältnis zu den Anderen verstehen? Und was ergibt der Vergleich?
Der Vortrag verfolgt solche Fragen über die Jahrhunderte, mit besonderem Interesse an der neueren und neuesten Geschichte, aus einer europäischen Perspektive. Er beschränkt sich auf die Nachzeichnung grober Linien und einzelner Schlaglichter. Besondere Aufmerksamkeit widmet er der Geschichte des Kapitalismus und seiner Folgen. Was ergibt sich aus den historischen Beobachtungen und Reflexionen für die Ortsbestimmung der Gegenwart und die Erwartungen an die Zukunft?

Jürgen Kocka, 1941 geboren, ist Professor em. für die Geschichte der industriellen Welt an der Freien Universität Berlin. Seit 2009 ist er Permanent Fellow am Internationalen Geisteswissenschaftlichen Kolleg „Arbeit und Lebenslauf in globalgeschichtlicher Perspektive” an der Humboldt-Universität zu Berlin und Senior Fellow am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam. Gastprofessuren und Forschungsaufenthalte führten ihn in die USA, nach Israel, Japan, Ungarn, Frankreich und England. Zu seinen neueren Publikationen zählen der Aufsatz Die Grenzen Europas (2005), Civil Society and Dictatorship in Modern German History (2010), Geschichte des Kapitalismus (2013, 2017) und Capitalism and its critics, a long-term view (2018).

Etienne François, 1943 geboren, ist Professor em. für Geschichte an der Universität Paris 1 und an der Freien Universität Berlin. Von 1992 bis 1999 war er zudem Gründungsdirektor des Centre Marc Bloch in Berlin. Zu seinen Publikationen gehört das dreibändige Werk Europa. Die Gegenwart unserer Geschichte (2019, Mithg.).