Montag, 22. Oktober 2018 18:15 Uhr

Die vergessene Republik. Zum Ort der Weimarer Demokratie in der deutsch-deutschen Zeitgeschichte

Vortrag: Prof. Dr. Martin Sabrow, Berlin/Potsdam
Moderation: Prof. Dr. Andreas Nachama, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Anmeldung: veranstaltungen(at)topographie.de

Ringvorlesung Weimars Wirkung. Das Nachleben der ersten deutschen Republik

(Gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Neueste und Zeitgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam, in Kooperation mit der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und dem Deutschen Historischen Museum)

Die Republik von Weimar hat keinen prominenten Platz im kollektiven Gedächtnis. Weder ihr mutiger Beginn noch ihr krisenhafter Verlauf, weder ihre republikanische Verfassung noch ihre politische Leistung spielen in der historischen Orientierung unserer Zeit eine nennenswerte Rolle. Zwischen der ersten und der zweiten deutschen Republik liegt der Sperrriegel der zwölf bittersten Jahre der europäischen Zivilisation, und er hat nach 1945 eine unvermittelte Traditionsbildung und Traditionsbefragung unmöglich gemacht. Dennoch fand die Weimarer Republik nach dem Ende der NS-Herrschaft zunächst durchaus breite historische Aufmerksamkeit – aber dies vor allem als Kontrastfolie: „Bonn ist nicht Weimar” lautete der vielzitierte Buchtitel des Schweizer Publizisten Fritz René Allemann, in dem sich das Selbstverständnis der frühen Bundesrepublik spiegelte. Danach aber wurden die vierzehn Jahre der ersten deutschen Republik zunehmend von der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus überblendet. Ausgehend vom revolutionären, aber von keinem politischen Lager vorbehaltlos akzeptierten Sturz der Hohenzollernmonarchie am 9. November 1918 zeichnet der Einführungsvortrag die zeitgenössische und die nachzeitige Rezeptionsgeschichte der ersten deutschen Demokratie nach und erörtert die Frage, warum sie zu einer „vergessenen Republik” werden konnte.

Martin Sabrow, 1954 geboren, ist Professor für Neueste Geschichte und Zeitgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin und Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam. Er ist Autor zahlreicher Publikationen, darunter Der Rathenaumord. Rekonstruktion einer Verschwörung gegen die Republik von Weimar (1994), Das Diktat des Konsenses. Geschichtswissenschaft in der DDR 1949–1969 (2001), Zeitgeschichte schreiben. Von der Verständigung über die Vergangenheit in der Gegenwart (2014) und Erich Honecker. Das Leben davor 1912–1945 (2016). Martin Sabrow wurde 2017 mit dem Golo-Mann-Preis für Geschichtsschreibung ausgezeichnet.

Andreas Nachama ist Direktor der Stiftung Topographie des Terrors.