Dienstag, 19. Februar 2019 19:00 Uhr

„Asoziale” und „Berufsverbrecher” in den Konzentrationslagern 1933 bis 1938

Buchpräsentation: Dr. Julia Hörath, Hamburg
Kommentar: Dr. Angelika Königseder, Berlin
anschließend Podiumsgespräch
Moderation: Dr. Thomas Lutz, Berlin

Topographie des Terrors Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Die ersten Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung von „Asozialen” waren Bettler, Landstreicher und Prostituierte. Zahlreiche weitere Untergruppen kamen dazu. Als „Berufsverbrecher” wurden Mehrfachstraftäter in die Konzentrationslager eingewiesen, obwohl sie ihre Strafen längst verbüßt hatten.
In ihrer Studie „Asoziale” und „Berufsverbrecher” in den Konzentrationslagern 1933 bis 1938 (2017) weist Julia Hörath nach, dass bereits kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten eine systematische Verfolgung von sogenannten „Asozialen” und „Berufsverbrechern” begann. Ihre Haft in Konzentrationslagern wurzelte in Plänen, die weit vor 1933 zur Inhaftierung „sozialschädlicher” Personen entwickelt worden waren. Die KZ-Einweisungen gingen in erster Linie auf die Initiative lokaler Akteure zurück. Ihr Agieren schuf die Voraussetzungen für die 1937/38 durchgeführten Massenverhaftungen von über 10.000 Menschen, die als zentrale Maßnahmen einer „rassischen Generalprävention” gerechtfertigt wurden.
Julia Hörath gibt in ihrem Vortrag einen Überblick über die Ergebnisse ihrer Studie. Angelika Königseder kommentiert die Befunde im Rahmen aktueller Forschungsdebatten.

Julia Hörath, historisch arbeitende Politologin, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Hamburger Institut für Sozialforschung. Zuvor arbeitete sie freiberuflich für verschiedene KZ-Gedenkstätten sowie an der Arbeitsstelle für Nationale und Internationale Gewerkschaftspolitik der Freien Universität Berlin und war Lehrbeauftragte am Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin. Mit der vorliegenden Studie wurde sie an der Freien Universität Berlin promoviert.

Angelika Königseder ist als freiberufliche Historikerin tätig. Sie war Kuratorin der Ausstellung in der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund und langjährige wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin.

Thomas Lutz ist Gedenkstättenreferent der Stiftung Topographie des Terrors.