Bildband: Andreas Gehrkes "Topographie"

Mittwoch, 3. August 2011

Im Unterholz der Geschichte... mehr mehr

Wie erzählt man Geschichte ohne Sprache? Der Fotokünstler Andreas Gehrke, der unter dem Namen Noshe zu den besten jungen Architekturfotografen Deutschlands gehört, nähert sich in Berlin einem zentralen Ort des NS-Terrors.

Früher gab es in Berlin mal eine Kneipe an der Ecke Wilhelmstraße und Kochstraße, die hieß Land’s End, und der Name traf wirklich zu. Es war auch die Zeit von Straps-Harry, einem Transvestiten, der auf dem Grundstück gegenüber „Fahren ohne Führerschein” für ein paar Mark anbot, hier, an Westdeutschlands symbolisch östlichstem Punkt. Bis in die 80er-Jahre war das Grundstück, das man von der Kneipe aus sehen konnte, nichts weiter als eine Brache an der Mauer, wechselnde Pächter, ökonomisch uninteressant, nicht verwertbar. Auch Straps-Harry verschwand irgendwann.

Allmählich machten sich Sträucher und Bäume breit, von der schnell wachsenden Sorte. Inzwischen ist daraus ein undurchdringliches Stück Wald geworden, mit Robinien, Geflechten aus flinken Luftwurzeln, störrischem Unterholz und schartigen Mooskrusten. Ein zugewuchertes Reservat, Betreten verboten, ringsum umtost von der wiedervereinigten Hauptstadt, in deren Mitte das seltsam stumme Grundstück inzwischen gerückt ist.

Wie vergessen, trotz seiner Größe, trotz seiner historischen Bedeutung. Denn auf diesem Gelände befanden sich von 1933 bis 1945 Zentralen des nationalsozialistischen Terrors: das Geheime Staatspolizeiamt mit Foltergefängnis, die Reichsführung-SS und das Reichssicherheitshauptamt. Erst seit 1987, eröffnet zur 750-Jahr-Feier Berlins, informiert die Dauerausstellung „Topographie des Terrors” über den Ort, Gebäudereste und Kellerkammern wurden freigelegt. Doch ein großer Teil des Grundstücks bleibt weiterhin ein eigenartig blinder Fleck in der Stadt. [...]

monopol

«Topographie des Terrors» erinnert an Eichmann-Prozess

Dienstag, 19. Juli 2011

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BERLIN/MZ. Was für ein Mensch ist dieser Mann gewesen? Und sollen wir uns eigentlich dafür interessieren? Immerhin trägt er Mitschuld an der Ermordung von Millionen Juden. Freilich, den Opfern und ihren Hinterbliebenen muss unsere Aufmerksamkeit zuerst gelten.

Aber wie können wir Nachgeborenen das Grauen des industriellen Tötens von Kindern, Frauen und Männern begreifen, wie sollen wir dieses Erbe unserer Geschichte annehmen und ertragen, wenn wir nicht den Mechanismus untersuchen, dessen Teil Männer wie Adolf Eichmann gewesen sind? Einer, der nicht als Monster auf die Welt gekommen ist und unter anderen Umständen Buchhalter eines mittelständischen Unternehmens hätte werden können.

Beiden Themen, dem Täter und seinen Opfern, widmet sich eine zumal von jungen Menschen stark besuchte Ausstellung im Berliner Dokumentationszentrum "Topographie des Terrors" neben dem Martin-Gropius-Bau und unweit des Potsdamer Platzes. [...]

Mitteldeutsche Zeitung

„Das Gesicht des Ghettos”

Dienstag, 12. Juli 2011

Neue Ausstellung im Kölner NS-Dokumentationszentrum zeigt Bilder jüdischer Fotografen... mehr mehr

Köln - Unter dem Titel „Das Gesicht des Ghettos” zeigt das NS-Dokumentationszentrum in Köln ab dem 13. Juli weitgehend unbekannte Fotos aus dem polnischen Ghetto Litzmannstadt.

Die zwischen 1940 und 1944 gemachten Aufnahmen zeigten nicht die Täterperspektive, sondern stammten von jüdischen Fotografen, die selbst im Ghetto gefangen und täglich vom Tod bedroht gewesen seien, erklärten die Ausstellungsmacher. Der Schau gelinge es, die Persönlichkeit der Fotografen ebenso herauszustellen wie auch einen tiefen Einblick in die Gefühlslage der Menschen im Ghetto zu geben.

Die Aufnahmen dokumentierten eindringlich die Spannung zwischen der ausweglosen Situation der Betroffenen und ihrem Bemühen zu überleben, hieß es weiter. In der Industriemetropole Lódz, die bald nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Polen in Litzmannstadt umbenannt worden war, hatte die deutsche Besatzungsverwaltung das nach Warschau zweitgrößte Ghetto in Polen errichtet. Mehrere zehntausend Menschen starben dort an Hunger, Krankheiten und Gewaltverbrechen. Konzipiert wurde die Ausstellung den Angaben zufolge von der Berliner Gedenkstätte „Topographie des Terrors”. [...]

Die Welt

Gut besucht

Freitag, 6. Mai 2011

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Mitte - Das vor einem Jahr neu eröffnete Dokumentationszentrum Topographie des Terrors hat bisher rund 600 000 Besucher angezogen. Die Zahl der angemeldeten Gruppen hat sich mehr als verdoppelt.

B.Z.

Verhinderte Aufklärung

Donnerstag, 5. Mai 2011

Über den Umgang des Kanzleramts und des BND mit den Eichmann-Akten: Eine Diskussion in Berlin. ... mehr mehr

Über die hartnäckige Geheimhaltung der Eichmann-Akten durch den BND sprach am Dienstag der Rechtsanwalt Reiner Geulen in der Topographie des Terrors. Der weltweit in Menschrechtsfragen tätige Jurist vertritt die in Argentinien lebende Journalistin Gabriele Weber, für die er einen großen Erfolg erzielt hat. 2010 erklärte das Bundesverwaltungsgericht den Sperrvermerk des Bundeskanzleramts, dem der BND untersteht, für rechtswidrig. Ein Großteil der 3400 Seiten umfassenden Eichmann-Akten ist freigegeben.

Der Vortrag, Teil des Begleitprogramms zur Ausstellung über den Eichmann-Prozess, warf ein grelles Licht auf die bizarre Vorgeschichte des Jerusalemer Gerichtsverfahrens.
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Der Tagesspiegel

Nichts Dämonisches

Montag, 11. April 2011

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Die Überraschung ist groß, als die Weltöffentlichkeit am 23. Mai 1960 aus dem Mund Ben Gurions erfährt, Adolf Eichmann sei gefunden, festgenommen und bereits in Israel inhaftiert. Am 11. Mai 1960 fangen Mossad-Agenten Eichmann, den sie „Attila“ nennen. Als er nach seiner Arbeit in der Niederlassung von Daimler in Buenos Aires aus einem Bus im Stadtteil San Fernando steigt, fesseln die Agenten ihn und bringen ihn über Uruguay nach Israel, offenbar ohne Hilfe der argentinischen Behörden.

Ein Jahr später beginnt Eichmann-Prozess, den ganze Scharen von Reportern beobachten. Schon das polizeiliche Vernehmungsprotokoll Eichmanns umfasst 3000 Seiten, mehr als 100 Zeugen sagen aus, es ist ein gründlicher Prozess. Dabei sind auch die Literaten Harry Mulisch aus den Niederlanden, der den Prozess in seiner großen Reportage „40/61“ beschreibt, und Hannah Arendt, die vor den Nazis in die USA geflohen war. Sie beobachtet den Prozess für die Zeitschrift „The New Yorker“. Arendts Blick auf Eichmann, auf den Prozess prägt den nachkriegsdeutschen Blick auf das Verfahren und die Rolle Eichmanns. Berühmt wird ihre Interpretation Eichmanns, in dem sie die „Banalität des Bösen“ erkannt haben will: Den einfachen, realitätsfernen Mann, dem das gänzlich Dämonische fehle. Die Stichhaltigkeit ihrer These bleibt unter Historikern überaus umstritten, bis heute. [...]

Focus online

Ausstellung: „Topographie des Terrors”

Montag, 11. April 2011

Am 11. April vor 50 Jahren begann in Jerusalem das Verfahren gegen Adolf Eichmann.... mehr mehr

Nach den Nürnberger Prozessen wurde die Welt Zeuge des Ausmasses der Nazi-Verbrechen, erstmals kamen die Opfer zu Wort. Und dieses Mal war es ein israelisches Gericht, das den Mann verurteilte, der als Cheflogistiker der systematischen Ermordung von 6 Millionen Juden galt. Vielerorts wird heute des Prozessbeginns gedacht: in Israel, in Paris und in Berlin, wo die Stiftung „Topographie des Terrors” in einer Sonderausstellung die historischen Aufnahmen des Eichmann-Prozesses zeigt. Kolia Kandziora berichtet. [...]

arte

Eichmann – Referatsleiter der absoluten Macht

Freitag, 8. April 2011

Die Berliner Topographie des Terrors analysiert den Prozess gegen Adolf Eichmann. Warum sind die Akten des BND immer noch gesperrt?... mehr mehr

Sein Name ist ein Schlüsselreiz. Mit „Adolf Eichmann“ verbindet jeder etwas. Man kennt die Bilder des halbkahlen Mannes im schusssicheren Glaskasten in Jerusalem. Wie kaum ein Anderer steht Eichmann für den organisierten Mord an sechs Millionen europäischer Juden 1940 bis 1944. Zugleich gilt er als der personifizierte „Schreibtischtäter“, als die Verkörperung der „Banalität des Bösen“, wie die Philosophin Hannah Arendt in einer oft missverstandenen Formulierung schrieb.

50 Jahre nach der Eröffnung des weltweit beachteten Verfahrens am 11. April 1961 behandelt jetzt eine Sonderausstellung in der Stiftung Topographie des Terrors auf dem ehemaligen Areal der Gestapo-Zentrale die juristische Auseinandersetzung mit diesem Mann, die symbolisch steht für die Anerkennung des Menschheitsverbrechens Holocaust, der 1961 freilich noch nicht so genannt wurde. [...]

Die Welt

Spediteur des Todes

Donnerstag, 7. April 2011

"Der Prozess - Adolf Eichmann vor Gericht", eine Ausstellung der Stiftung Topographie des Terrors Bert Hoppe... mehr mehr

Der gläserne Käfig fehlt noch. Erst von Mitte Mai an soll jener Kasten aus schusssicherem Glas, in dem Adolf Eichmann seinem Prozess vor dem Obersten Gericht in Jerusalem folgte, im Foyer der Stiftung Topographie des Terrors aufgestellt werden. Dort soll das Exponat dann auf die Ausstellung aufmerksam machen, die das spektakuläre Verfahren gegen den einstigen Leiter des Referats IV B 4 im Reichssicherheitshauptamt beleuchtet.

Eine kluge Idee war es allerdings nicht, dieses Symbol der juristischen Aufarbeitung des Holocaust nach Deutschland zu holen. In Israel wird die Kabine bezeichnenderweise im Museum der Ghettokämpfer gezeigt. Sie ist ein Symbol dafür, dass es dem jüdischen Volk gelungen ist, einen der wichtigsten Organisatoren des Völkermords zur Verantwortung zu ziehen. [...]

Berliner Zeitung

»Aus prinzipiellen Erwägungen ...«

Donnerstag, 7. April 2011

Topographie des Terrors erinnert an den Eichmann-Prozess von 1961 und Ankläger Gabriel Bach berichtet über eine erdrückende Beweislast... mehr mehr

Es war der erste Prozess, in dem die Shoah in ihrer ganzen grausigen Dimension zur Sprache kam: das Tribunal gegen Adolf Eichmann, das vor 50 Jahren, am 11. April 1961, in Jerusalem eröffnet wurde. Dem Ereignis widmet sich eine Ausstellung der Topographie des Terrors in Berlin, die erste ihrer Art in Europa. Dienstagabend wurde sie feierlich eröffnet.

Zwei Tage, nachdem der Mossad den ehemaligen SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann aus seinem Versteck in Argentinien nach Israel entführt hatte, klingelte das Telefon bei Gabriel Bach. Der Justizminister fragte, ob er den polizeilichen Vernehmern als Berater beistehen wolle. Bach wollte. Nicht ahnend, was da auf ihn zukam. [...]

Neues Deutschland