Dienstag, 3. November 2020 19:00 Uhr

Reforminitiativen. Aktuelle französische Vorschläge in historischer Perspektive

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Europa – Visionen und Praxis im 20. und 21. Jahrhundert”

Vortrag: Prof. Dr. Hélène Miard-Delacroix, Paris
Moderation: Prof. Dr. Dr. h.c. Hartmut Kaelble, Berlin

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Eine Teilnahme vor Ort ist nicht möglich.

Mit einem dezidiert proeuropäischen Programm wurde im Mai 2017 der politische Neuling Emmanuel Macron zum französischen Staatspräsidenten gewählt. In den folgenden Monaten und Jahren plädierte er lautstark für eine Neubegründung der Europäischen Union in zahlreichen Bereichen. Die Anpassung an die Herausforderungen der Zeit bezeichnete er als „Initiative für Europa” und erntete damit Applaus sowie Kritik der europäischen Partner. Es ist nicht das erste Mal, dass ein Gründungsmitglied wie Frankreich Reformen für Europa vorschlägt. Die Geschichte der europäischen Integration ist ein langer Weg von Verbesserungs- und Vertiefungsversuchen des schrittweise gemeinsam Erreichten.
Ausgehend von der Gegenwart wird der Vortrag in die Geschichte des europäischen Aufbaus zurückgehen und sich mit den Fragen der Inspiration, des Kontexts und der Erfolgs- bzw. Misserfolgskonjunkturen der vielfältigen Reforminitiativen für Europa auseinandersetzen. In welchen Kräftekonstellationen entstanden Reforminitiativen? Womit hing die Durchsetzungsfähigkeit der Vorschläge zusammen? Stehen die neuesten französischen Initiativen in einer Kontinuität mit vergangenen Strategien?

Hélène Miard-Delacroix, 1959 geboren, ist Professorin für deutsche Zeitgeschichte und Kultur am Germanistischen Institut der Universität Sorbonne, Paris. Sie hat zahlreiche Veröffentlichungen vorgelegt, darunter Partenaires de choix? Le Chancelier Helmut Schmidt et la France (1993), Question nationale et nationalisme. Perceptions françaises d’une problématique allemande au début des années cinquante (2004),Deutsch-französische Geschichte 1963 bis in die Gegenwart. Im Zeichen der europäischen Einigung (2011), Willy Brandt (2013) und Von Erbfeinden zu guten Nachbarn. Ein deutsch-französischer Dialog (2019, mit Andreas Wirsching). Für ihr Werk wurde sie mehrfach ausgezeichnet.

Hartmut Kaelble, 1940 geboren, ist Professor em. für Sozialgeschichte am Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 1998 bis 2009 war er Mitdirektor des Zentrums (später Berliner Kolleg) für vergleichende Geschichte Europas.