Dienstag, 1. Dezember 2020 19:00 Uhr

Europa und seine Bürger

Begrüßung: Dr. Andrea Riedle, Direktorin der Stiftung Topographie des Terrors
Vorträge: Prof. Dr. Arnd Bauerkämper und Prof. Dr. Dr. h.c. Hartmut Kaelble (beide Berlin)
Moderation: Prof. Dr. Andreas Nachama (Berlin)

Abschluss der Veranstaltungsreihe „Europa – Visionen und Praxis im 20. und 21. Jahrhundert”

Livestream: www.topographie.de/livestream/
Eine Teilnahme vor Ort ist nicht möglich.

In der Corona-Krise stellt sich wieder verschärft die Frage, wie sich die Beziehungen zwischen dem europäischen Projekt und der Bürgerschaft entwickelt haben. Der Vortrag zeigt, dass das europäische Projekt keine bürgerferne Wirtschaftsbehörde blieb. Trotz aller Rückschläge machte die anfänglich passive Indifferenz der Bürgerinnen und Bürger zunehmend der Interessiertheit und der aktiven Beteiligung Platz. Arnd Bauerkämper argumentiert, dass sich eine europäische Bürgerschaft zwar in Ansätzen schon im Mittelalter herausgebildet hat, die wichtigen grenzüberschreitenden Interaktionen aber erst seit der Aufklärung gewachsen sind. Seit 1945 hat sich dann die Einigung „von oben” durch Abkommen zwischen Regierung und zivilgesellschaftlichen Akteuren nicht gegensätzlich, sondern komplementär vollzogen. Hartmut Kaelble zeichnet die historischen Phasen der Beteiligung der Bürger an der europäischen Integration von Montanunion bis zur heutigen Europäischen Union nach. Er thematisiert auch die Abschwächungen des Vertrauens der Bürger in die Europapolitik während historischer Krisen sowie die bisher andere Entwicklung dieses Vertrauens in der Corona-Pandemie. 

Arnd Bauerkämper, 1958 geboren, ist Professor für die Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts an der Freien Universität Berlin. Zu seinen neueren Publikationen zählt Das umstrittene Gedächtnis. Die Erinnerung an Nationalsozialismus, Faschismus und Krieg in Europa seit 1945 (2012), Der Neue Mensch (2017) und der Aufsatz Historische Komparatistik in der Diktaturforschung (2019).

Hartmut Kaelble, 1940 geboren, ist Professor em. für Sozialgeschichte am Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 1998 bis 2009 war er Mitdirektor des Zentrums (später Berliner Kolleg) für vergleichende Geschichte Europas. Zu seinen aktuellen Veröffentlichungen gehört Der verkannte Bürger. Eine andere Geschichte der europäischen Integration seit 1950 (2019) und Eine europäische Gesellschaft? Beiträge zur Sozialgeschichte Europas vom 19. bis ins 21. Jahrhundert (2020).

Andreas Nachama, 1951 geboren, ist Direktor i.R. der Stiftung Topographie des Terrors.