Dienstag, 23. Juni 2020 19:00 Uhr

Europa und die Faschisten

Vortrag: Prof. Dr. Monica Fioravanzo (Universität Padua)
Moderation: Prof. Dr. Dr. h.c. Hartmut Kaelble (em., Humboldt-Universität zu Berlin)

Livestream (eine Teilnahme vor Ort ist nicht möglich)

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Europa – Visionen und Praxis im 20. und 21. Jahrhundert”

Nach der Weltwirtschaftskrise von 1929 und fast zeitgleich mit dem Aufstieg der nationalsozialistischen Partei in Deutschland entwickelten die faschistischen Machthaber um den Duce Benito Mussolini in Italien Überlegungen zu einer neuen europäischen Ordnung, in der sie eine führende Rolle spielen sollten. Damit gab der italienische Faschismus eine rein nationale Sichtweise auf und orientierte sich stärker an einer international ausgerichteten Perspektive. Ab 1933 kam es zur Konkurrenz mit den nationalsozialistischen Machthabern, die ihrerseits bald zu einer aggressiven Expansionspolitik übergingen.
Der Vortrag behandelt Themen und Protagonisten dieser Reflexionen über eine neue europäische Ordnung. Gefragt wird auch, wie populär die Idee eines faschistischen Europas bei Intellektuellen und Sympathisanten in Deutschland und anderen Staaten war und inwiefern verschiedene Perspektiven miteinander in Konflikt gerieten. Im Anschluss an diese erste Phase, in der Überlegungen oft vage und spekulativ blieben, wurde in Italien im Zweiten Weltkrieg erneut über eine neue europäische Ordnung diskutiert. Diese Debatten standen im Zeichen der Übermacht des „Dritten Reichs” in der zunehmend ungleichen Allianz zwischen Italien und dem nationalsozialistischen Deutschland.

Monica Fioravanzo ist Assoziierte Professorin für Zeitgeschichte an der Universität Padua. Sie war Gastprofessorin am Institut für Zeitgeschichte in München und an der Freien Universität in Berlin sowie Gastwissenschaftlerin am European Institute der Columbia University in New York. Zu ihren Veröffentlichungen gehören Mussolini e Hitler: la Repubblica sociale sotto il Terzo Reich (2009), 1943. Strategie militari, collaborazionismi, Resistenze (2015) sowie die Aufsätze Die Europakonzeptionen von Faschismus und Nationalsozialismus (19391943) (2010), Mussolini, il fascismo e l’‘idea dell’Europa’. Alle origini di un dibattito (2011) und Italian fascism from a trans-national perspective: the debate on the new european order (19301945) (2017).

Hartmut Kaelble ist Professor em. für Sozialgeschichte am Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 1998 bis 2009 war er Mitdirektor des Zentrums (später Berliner Kolleg) für vergleichende Geschichte Europas.