Dienstag, 26. Februar 2019 19:00 Uhr

„Kristallnacht” und Kirchen: Wie reagierten Protestanten und Katholiken auf die Novemberpogrome 1938?

Vortrag: Prof. Dr. Manfred Gailus, Berlin
Moderation: Dr. Ulrich Prehn, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Begleitprogramm zur Ausstellung „‚Kristallnacht’ – Antijüdischer Terror 1938”

(Gemeinsam mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas)

Über 90 Prozent der Deutschen gehörten 1938 einer christlichen Konfession an. Die beiden großen Kirchen waren die einzigen Institutionen im „Dritten Reich”, die nicht komplett gleichgeschaltet waren.
In seinem Vortrag zeigt Manfred Gailus, dass die Kirchen als öffentlich-rechtliche Körperschaften durchaus die Möglichkeit gehabt hätten, im November 1938 zu sprechen. Aber die Kirchen schwiegen im Feuerschein der Gewaltereignisse. Dieses „große Schweigen” war das hervorstechende Merkmal kirchlichen Verhaltens. Daneben lassen sich aus Kreisen der protestantischen „Deutschen Christen” Beispiele verbaler Akklamation der Gewaltaktionen belegen. Ein namhafter Universitätstheologe meinte gar nach dem 9. November, wenn das jetzt noch nicht genug sei, dann müsse eben noch mehr kommen. Auf der anderen Seite standen Protestanten wie Katholiken, Männer und Frauen, die ihren Mund auftaten für die Stummen. Das war riskant und konnte für sie gefährliche Konsequenzen haben. Der Vortrag würdigt Männer und Frauen beider Konfessionen, die den Mut aufbrachten, die kirchliche „Politik des Schweigens” zu durchbrechen und von der Kanzel oder anderer Stelle gegen die antijüdischen Gewaltexzesse zu protestieren.

Manfred Gailus, 1949 geboren, ist apl. Professor für Neuere Geschichte am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin. Zu seinen neueren Publikationen gehören Täter und Komplizen in Theologie und Kirchen 19331945 (2015, Hg.), Für ein artgemäßes Christentum der Tat. Völkische Theologen im „Dritten Reich” (2016, hg. mit Clemens Vollnhals), Friedrich Weißler. Ein Jurist und bekennender Christ im Widerstand gegen Hitler (2017) und Gegen den Mainstream der Hitlerzeit. Der Wuppertaler Theologe Helmut Hesse (1916–1943) (2018).

Ulrich Prehn, 1966 geboren, Historiker, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zent-rum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin. Von 2015 bis 2017 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Topographie des Terrors und Kurator der Sonderausstellung „‚Überall Luthers Worte ...’ – Martin Luther im Nationalsozialismus”.