Das "Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda"

Foto: Bildarchiv Stiftung Topographie des Terrors

 


Das Propagandaministerium nach dem Umbau 1934

Foto: Privatbesitz



Propagandaminister Joseph Goebbels
bei einer Ansprache im "Thronsaal" des Ministeriums

Foto: Bilderdienst Süddeutscher Verlag, München 


Das Mikrophonzimmer im Propagandaministerium

Foto: Bundesarchiv Koblenz

Im Oktober 1919 bezog die kurz zuvor gegründete "Vereinigte Presseabteilung der Reichsregierung" das Palais am Wilhelmplatz 8/9. Die Hauptaufgabe der Presseabteilung, die zum Auswärtigen Amt gehörte, war die Darstellung und Interpretation der Politik der Regierung. Diesem Ziel diente vor allem die täglich um 12.00 Uhr im Gartensaal des Palais stattfindende Pressekonferenz, bei der der Pressechef den Journalisten Rede und Antwort stand.

Die Presseabteilung wurde im Sommer des Jahres 1933 dem am 13. März gegründeten "Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda" eingefügt. Dieses Ministerium war ganz auf die Person von Joseph Goebbels zugeschnitten, der seit 1926 als "Gauleiter" der NSDAP in Berlin mit aggressiver Propaganda, die bis zur Inszenierung bürgerkriegsähnlicher Situationen reichte, auf Stimmenfang ging. Seit 1930 war Goebbels zusätzlich "Reichspropagandaleiter" der NSDAP.

Der Tätigkeitsbereich des Ministeriums war keineswegs auf die Presse beschränkt; es übernahm die Lenkung und Kontrolle der Literatur, der bildenden Kunst, des Films, des Theaters und der Musik. Wichtigstes Überwachungsinstrument war die Reichskulturkammer, die dem Propagandaministerium unterstand und in sechs Einzelkammern für die genannten Bereiche gegliedert war. Wer in einem dieser Bereiche tätig sein wollte, mußte der entsprechenden Kammer angehören. Wer in irgendeiner Form von den durch den nationalsozialistischen Staat festgesetzten Richtlinien abwich, mußte mit Sanktionen rechnen, die vom Ausschluß aus der Kammer und damit einem Berufsverbot bis zur Einweisung in ein Konzentrationslager reichten.

Das Propagandaministerium übte Kontrolle über die Kultur, wobei Wissenschaft und Schule allerdings ausgenommen blieben, und sämtliche Medien aus. Der Rundfunk war sofort 1933 völlig in die Hand des Propagandaministers übergegangen. Die Presse wurde, über die Kontrolle durch die Reichspressekammer hinaus, durch strenge Vorgaben gelenkt. Alle Informationen, die der Presse zur Verfügung standen, wurden von einer dem Propagandaministerium unterstehenden Presseagentur herausgegeben.

Bei der weiterhin täglich um 12.00 Uhr stattfindenden Pressekonferenz wurden Weisungen gegeben, wie mit diesen Informationen zu verfahren sei.

Die ständig wachsende Zahl der Mitarbeiter des Ministeriums, die 1939 auf 2000 gestiegen war, erforderte mehrere Um- und Anbauten. Bereits 1934 wurde ein neuer Flügel an der Ostgrenze des Grundstücks errichtet. Im Jahre 1938 riß man das Nachbarhaus Wilhelmstraße 62 ab und verlängerte den Flügel an der Wilhelmstraße; entlang der Mauerstraße wurde ein Neubau errichtet. Während das Palais im März 1945 ausbrannte, blieben die Erweiterungsbauten zum großen Teil bis heute erhalten.

 
Neubau Propagandaministerium
Mauerstraße

Foto: Bildarchiv Stiftung Topographie des Terrors
Eck- und damaliger Neubau heute
Mauerstraße

Foto: Stiftung Topographie des Terrors
"Wilhelmplatz" heute mit Geschichtstafel

Foto: Stiftung Topographie des Terrors