Das Reichsluftfahrt-
ministerium


Foto: Geimes Staats-
archiv, Preußischer
Kulturbesitz

 

Tür zum "Ehrensaal" im Reichsluftfahrtministerium

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz

 

Seit 1819 befand sich der Amtssitz des preußischen Kriegsministers in der Leipziger Straße 5; später kam die Nr.7 an der Ecke zur Wilhelmstraße dazu. Zwischen 1865 und 1890 wurden die südlich anschließenden Grundstücke in der Wilhelmstraße bis Nr. 85 angekauft und durch einen Neubau ersetzt.

Das Kriegsministerium war eine "Militärverwaltungsbehörde" . Mit militärischen Kommandosachen, vor allem Personalangelegenheiten und Fragen der Kriegführung, waren das "Militärkabinett" und der "Große Generalstab" befaßt.

Beide Behörden waren Abteilungen des Kriegsministeriums, wurden aber in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts faktisch verselbständigt. Sie wurden zu Instrumenten der "Kommandogewalt" , die dem preußischen König nach der Verfassung von 1850 zustand, und der Verantwortung des Kriegsministers entzogen. Damit sollte verhindert werden, daß die Parlamente, denen der Kriegsminister rechenschaftspflichtig war, Einflußauf militärische Angelegenheiten nehmen konnten.

Ab 1871 war der preußische Kriegsminister auch zuständig für die Militärverwaltungsangelegenheiten des Deutschen Reichs, da der preußische König als deutscher Kaiser den Oberbefehl über das Heer hatte, das aus den Heeren der Bundesstaaten Preußen, Sachsen, Bayern und Württemberg bestand, die jeweils eigene Kriegsminister hatten.

In der Weimarer Republik wurden alle militärischen Aufgaben an das Reich überwiesen. Das neue Reichswehrministerium nahm seinen Sitz in der Bendlerstraße und nutzte den Gebäudekomplex Wilhelmstraße 81-85/Leipziger Straße 5-7 als Bürogebäude.

Im Mai 1933 übernahm Hermann Göring die Gebäude für ein am 5. Mai gegründetes "Reichsluftfahrtministerium" . Göring war bereits seit 2. Februar 1933 "Reichskommissar für die Luftfahrt" , dem die für die zivile Luftfahrt zuständige Abteilung "Luftverkehr" des Reichsverkehrsministeriums unterstellt wurde. Dazu kamen bei der Gründung des Ministeriums alle mit der militärischen Luftfahrt befaßten Stellen, die bisher beim Reichswehrministerium geführt wurden. Am 1. Mai 1935 wurde Göring zusätzlich zum "Oberbefehlshaber der Luftwaffe" ernannt.

Nach dem Abriß des Gebäudes des Kriegsministeriums wurde 1935/36 auf dem südlich bis zur Prinz-Albrecht-Straße erweiterten Gelände ein Neubau für das Reichsluftfahrtministerium errichtet. Göring übernahm zusätzlich die benachbarten Gebäude des ehemaligen Preußischen Landtags und des Preußischen Herrenhauses.

In diesem Areal wurden die Büros eingerichtet, die Göring für die Ausübung seiner weiteren Ämter benötigte, deren wichtigste das des preußischen Ministerpräsidenten und das des "Beauftragten für den Vierjahresplan" waren.

In der DDR wurde das Gebäude als "Haus der Ministerien" genutzt. Hierher zogen am 17. Juni 1953 demonstrierende Bauarbeiter und forderten freie Wahlen in der DDR. Von 1991 bis 1995 war das Haus Sitz der "Treuhandanstalt" .