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Alte Reichskanzlei
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Konferenzraum als Kabinettsitzungssaal,
1929
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Das Gebäude Wilhelmstraße 77 beherbergte
seit 1878 die Reichskanzlei. Diese Behörde erledigte die Bürogeschäfte
des Reichskanzlers. Ihr gehörten zunächst vier Beamte an, die
ihre Arbeitszimmer ebenso wie der Reichskanzler im Erdgeschoß des
Hauses hatten.
Im oberen Stockwerk befand sich die Dienstwohnung des Kanzlers, wobei die Privaträume der Familie von den Repräsentationsräumen unterschieden wurden. In deren Zentrum stand der 300 qm große Festsaal, in dem der Kanzler den mit seiner Stellung verbundenen gesellschaftlichen Pflichten nachkam, in dem aber auch Konferenzen und Kongresse stattfanden. Die Zweiteilung des Hauses in Dienstwohnung und Büroräume blieb in der Weimarer Republik bestehen. Allerdings hatte sich mit der Verfassung vom August 1919 die Stellung des Reichskanzlers und damit auch die Stellung seines Büros, der Reichskanzlei, geändert. Der Kanzler war jetzt nicht mehr der einzige Chef der gesamten Reichsexekutive, sondern als Regierungschef Vorsitzender des Kollegiums der Minister, des Kabinetts. Die Reichskanzlei führte jetzt nicht nur die Geschäfte des Reichskanzlers, sondern auch die der Regierung. Zur Bewältigung dieses erweiterten Aufgabenkreises war eine Personalvermehrung notwendig. Die 37 Beamten, die der Behörde im Jahr 1928 angehörten, konnten nur durch Umbauten des Erdgeschosses und durch eine wesentliche Verkleinerung der Dienstwohnung des Kanzlers untergebracht werden. Erst als 1930 auf dem Nachbargrundstück Wilhelmstraße 78 ein Erweiterungsbau seiner Bestimmung übergeben wurde, war es möglich, das Haus Nr. 77 dem Reichskanzler wieder als Dienstwohnsitz zur Verfügung zu stellen. Mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 und den darauffolgenden Sondergesetzen, die dem Kanzler eine zunehmende Machtfülle verliehen, wuchsen auch Macht und Einfluß der Reichskanzlei. Da seit 1935 fast keine Kabinettssitzungen mehr stattfanden, verlor die Behörde zwar einen Teil ihrer bisherigen Aufgaben. Auf der anderen Seite jedoch war der Leiter der Reichskanzlei oft die einzige Verbindung zwischen den Ministern und Adolf Hitler, eine Stellung, die einen zwar nicht rechtlich fixierten, aber faktisch vorhandenen Einfluß auf alle Entscheidungen sicherte. Adolf Hitler nutzte das Haus in der Wilhelmstraße 77 als Wohnung und zu Repräsentationszwecken. Ab Januar 1939 wurden jedoch alle repräsentativen Veranstaltungen in die Neue Reichskanzlei an der Voßstraße verlegt.
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