Das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Foto: Geheimes Staatsarchiv
Preußischer Kulturbesitz

 

 

"Neuadel aus Blut und Boden"
Titelblatt des Buches von Richard Walther Darré

München 1930


Foto: Privatbesitz

 

Im Sommer 1920 bezog das aus dem "Kriegsernährungsamt" hervorgegangene "Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft" das Palais Wilhelmstraße 72. Dieses Palais war kurz zuvor für mehr als 10 Millionen Mark von der Reichsregierung angekauft worden. Es gehörte zuvor dem Haus Hohenzollern, das im November 1918 zwar entmachtet, aber nicht enteignet worden war.

Am 30. Januar 1933 übernahm Alfred Hugenberg die Leitung des Ministeriums; er wurde gleichzeitig zum Reichswirtschaftsminister ernannt. Hugenberg war seit 1928 Vorsitzender der "Deutschnationalen Volkspartei" (DNVP), die am 30. Januar 1933 eine Koalitionsregierung mit der NSDAP bildete und damit einen wesentlichen Beitrag zur Machtübergabe an die Nationalsozialisten leistete.

Nach Hugenbergs Rücktritt im Juni 1933 wurde Richard Walther Darré zum Minister für Ernährung und Landwirtschaft ernannt. Am 1. Januar 1935 wurde das Reichsministerium mit dem Preußischen Ministerium für Landwirtschaft verbunden. Beide Ministerien mußten die Forstangelegenheiten an Hermann Göring abgeben, der neben vielen anderen Åmtern auch das des "Reichsforstmeisters" innehatte.

Richard Walther Darré war seit 1930 Leiter der "Agrarpolitischen Abteilung der Reichsleitung der NSDAP" und bereits vor der Übernahme des Ministeramts als "Reichsbauernführer" uneingeschränkter Leiter des "Reichsbauernstandes" . Alle Landwirte mußten Mitglied dieser neuen Berufsorganisation sein, die im Sommer 1933 aus der Gleichschaltung aller landwirtschaftlichen Genossenschaften und agrarischen Interessenverbände hervorgegangen war. Der "Reichsbauernstand" , durch Personalunion mit dem zuständigen Ministerium verbunden, regulierte vor allem über Preisfestsetzungen weitgehend die landwirtschaftliche Produktion.

Von Darré stammt die Formel "Blut und Boden" . Dahinter verbarg sich eine rassistische Utopie, in deren Zentrum der Gedanke der Bildung einer neuen "Herrenrasse" stand. Zur Verwirklichung dieses Programms gehörte die Eroberung von "Lebensraum" und die Versklavung, Vertreibung und Vernichtung von Menschen, die als "rassisch minderwertig" galten. Diese Utopie war Teil des Programms der "bevölkerungspolitischen Neuordnung" Europas, das von der SS vertreten wurde; Richard Walther Darré war folgerichtig auch Leiter des "Rasse- und Siedlungshauptamtes" der SS.