Die Neue Reichskanzlei
Block A an der Voßstraße/Ecke Hermann-Göring-Straße


Foto: Landesbildstelle
Berlin

 

 

 

Die "Marmorgalerie" in der Neuen Reichskanzlei.
In der Mitte die Tür zu Hitlers Arbeitszimmer


Foto: Landesbildstelle Berlin



Das Arbeitszimmer Hitlers in der Neuen Reichskanzlei


Foto: Landesbildstelle Berlin

 

Am 9. Januar 1939 wurde die Neue Reichskanzlei ihrer Bestimmung übergeben. Der Neubau nach dem Entwurf des Architekten Albert Speer war seit 1935 geplant und seit Ende 1937 ausgeführt worden. Er erstreckte sich über 400 Meter entlang der gesamten Nordseite der Voßstraße.

Der monumentale Bau war als Demonstration der Herrschaftsansprüche des nationalsozialistischen Deutschland gedacht. Seine Errichtung stand in einem zeitlichen Zusammenhang mit dem "Anschluß" Österreichs im März 1938. Die nationalsozialistische Propaganda brachte die Beziehung zwischen der territorialen Expansion und der Neuen Reichskanzlei zum Ausdruck, als sie erklärte, der Neubau entspreche "dem Zuwachs an Macht und Größe Deutschlands" .

Diese Macht sollte nicht nur durch die Größe des Baus, sondern auch durch die innere Anlage, den Wert der verarbeiteten Materialien und die Fülle des Schmucks symbolisiert werden. Besucher, die das Gebäude durch die Toreinfahrt am Wilhelmplatz betraten, die in die Fassade des Erweiterungsbaus gebrochen worden war, mußten eine fast 300 Meter lange Raumfolge, in deren Zentrum die "Marmorgalerie" stand, durchqueren, bevor sie in den Empfangssaal kamen. Der Weg sollte beeindrucken und einschüchtern. Im Zentrum des Gebäudes stand Hitlers Arbeitszimmer, das vollständig mit Marmor ausgekleidet war und mit 400 qm und einer Höhe von 10 m als Halle bezeichnet werden kann.

Der repräsentative Charakter des Gebäudes stand im Vordergrund. Die Arbeitsräume der Reichskanzlei nahmen nur einen geringen Teil des Bauvolumens ein. Einige verblieben in den Resten des Erweiterungsbaus der Weimarer Republik oder im Borsig-Palais an der Ecke der Wilhelmstraße zur Voßstraße, das bereits 1933 gekauft worden war. Hier befand sich auch die "Präsidialkanzlei" , die mit den Angelegenheiten befaßt war, die Hitler, der nach dem Tod Hindenburgs auch das Amt des Reichspräsidenten übernommen hatte, als Staatsoberhaupt betrafen.

Chef der Reichskanzlei war von 1933 bis 1945 Hans Heinrich Lammers, der seit 1920 im Reichsministerium des Innern tätig und wiederholt als Gegner der Republik an die Öffentlichkeit getreten war. Lammers politischer Einflußwar groß. Da seit 1935 keine regelmäßigen Kabinettssitzungen mehr stattfanden, wurde der Verkehr zwischen den Ministern und dem Kanzler fast ausschließlich über den Chef der Reichskanzlei abgewickelt. Dieser Stellung entsprach die Rangerhöhung zum Minister im Jahre 1937.

Teile der Neuen Reichskanzlei waren mit Luftschutzbunkern unterkellert. Im Jahre 1943 wurde im Garten, mit direkter Verbindung zur Alten Reichskanzlei, in der Hitlers Privaträume lagen, ein unterirdischer "Führerbunker" errichtet. Hier verbrachte Hitler die letzten Wochen vor seinem Selbstmord am 30. April 1945.