Dienstag, 2. September 2014 19:00 Uhr

„Wir wollen die Flinten vergessen.“ Polen, DDR und die gemeinsame Erinnerung

Vortrag: Dr. Rafał Żytyniec, Ełk
Moderation: Prof. Dr. Martin Sabrow, Potsdam

Topographie des Terrors Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Im Rahmen der Vortragsreihe Krieg – Besatzung – Erinnerung. Polen und der Zweite Weltkrieg

(Gemeinsam mit dem Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften)

Nach 1945 waren die Volksrepublik Polen und die DDR bemüht, eine gemeinsame deutsch-polnische Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg zu konstruieren. Das größte Hindernis waren jedoch zwei asymmetrische kollektive Erfahrungen, die mit der unter-schiedlichen Erinnerung der beiden benachbarten Länder an den jüngst vergangenen Zweiten Weltkrieg zusammenhingen.
In seinem Vortrag untersucht Rafał Żytyniec, wann, wie und von welchen Akteuren Anstrengungen für eine gemeinsame Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg unternommen wurden und fragt, ob diese Geschichtspolitik die kollektiven Erinnerungsbestände beider Gesellschaften – namentlich die Diskrepanz zwischen Opfer- und Tätererinnerung – tatsächlich verändert hat. Das Spektrum der Bemühungen beider Ostblockstaaten, eine gemeinsame Erinnerung zu schaffen, reichte von der Zusammenarbeit der Veteranen-verbände beider Länder über historische Forschungen zur Rolle der Deutschen im polnischen Widerstand bis hin zur Denkmalspolitik (Denkmal des polnischen Soldaten und des deutschen Antifaschisten in Berlin-Friedrichshain) und zur Übersetzung ausge-wählter Werke der polnischen Literatur zum Thema „Zweiter Weltkrieg“.

Rafał Żytyniec, 1976 geboren, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Historischen Museums in Ełk (Lyck). Er studierte an der Fakultät für Kulturwissenschaften der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/O. und am Fachbereich Angewandte Sprach- und Kultur-wissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Zu seinen Forschungsschwer-punkten gehören vergleichende Aspekte der deutschen und polnischen Erinnerungs-kultur. In deutscher Sprache erschienen u.a. Zwischen Verlust und Wiedergewinn. Ostpreußen als Erinnerungslandschaft der deutschen und polnischen Literatur nach 1945 (2007) und Lyck. Im Rücken der Geschichte oder im Zentrum der Moderne? (2014).

Martin Sabrow, 1954 geboren, ist Professor für Neueste Geschichte und Zeitge-schichte an der Humboldt-Universität zu Berlin und Direktor des Zentrums für Zeit-historische Forschung Potsdam. Zu seinen Veröffentlichungen gehören Die Zeit der Zeitgeschichte. Ein Grundlagenessay über den Kernbegriff der modernen Geschichts-wissenschaft (2012) und Zeitgeschichte schreiben. Von der Verständigung über die Vergangenheit in der Gegenwart (2014).