Dienstag, 1. April 2014 19:00 Uhr

Widerstand und Auswärtiges Amt. Diplomaten gegen Hitler

Buchpräsentation: Dr. Jan Erik Schulte, Dresden, und Prof. Dr. Michael Wala, Bochum
Moderation: Dr. Thomas Lutz, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Gemeinsam mit der Gedenkstätte Deutscher Widerstand)

Die Bedeutung von Angehörigen des Auswärtigen Amts, die wichtige Funktionen im Widerstand gegen das NS-Regime ausübten, ist unbestritten. Dass es jedoch einen breit angelegten Widerstand im Auswärtigen Amt gegeben hat, gehört zu den Gründungsmythen der Bundesrepublik Deutschland.
In dem von Jan Erik Schulte und Michael Wala herausgegebenen Band Widerstand und Auswärtiges Amt. Diplomaten gegen Hitler (2013) verdeutlichen die Autoren am Beispiel einzelner Personenportraits, dass es keine geschlossene Opposition „des” Auswärtigen Amts gegen Hitler gegeben hat, wohl aber einen Widerstand, bei dem einzelne Angehörige oder Pensionäre des Amts mit Mitgliedern anderer Widerstandszirkel außerhalb des diplomatischen Dienstes konspirierten. Das Buch stellt auch Personen vor, deren Widerstand umstritten und zweifelhaft war oder deren Distanz zum Regime nur der eigenen Selbstwahrnehmung entsprang. Neben prominenten Personen wie Ernst von Weizsäcker oder den Beteiligten am Umsturzversuch des 20. Juli 1944 werden vor allem vergessene Widerstandskämpfer beleuchtet. Darüber hinaus werden der Umgang des Auswärtigen Amts mit der eigenen Geschichte, die Phase der Aufarbeitung nach 1945 und die erinnerungspolitischen Herausforderungen thematisiert. 

Jan Erik Schulte, 1966 geboren, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung an der Technischen Universität Dresden. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehört die Geschichte des Nationalsozialismus. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen vorgelegt, darunter Zwangsarbeit und Vernichtung: Das Wirtschaftsimperium der SS. Oswald Pohl und das SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt 1933–1945 (2001) und Die SS, Himmler und die Wewelsburg (2009, Hg.).

Michael Wala, 1954 geboren, ist Professor für die Geschichte Nordamerikas an der Ruhr-Universität Bochum. Gemeinsam mit Prof. Dr. Constantin Goschler erforscht er derzeit die Organisationsgeschichte des Bundesamts für Verfassungsschutz 19501975. Zu seinen neueren Publikationen zählen Weimar und Amerika. Botschafter Friedrich von Prittwitz und Gaffron und die deutsch-amerikanischen Beziehungen von 1927 bis 1933 (2001) und Kleine Geschichte der USA (2007, zus. mit Philipp Gassert und Mark Häberlein).

Thomas Lutz ist Gedenkstättenreferent der Stiftung Topographie des Terrors.