Dienstag, 19. März 2013 19:00 Uhr

Vor 80 Jahren – Der „Tag von Potsdam” und die Kirchen

Vorträge: Prof. Dr. Manfred Gailus, Berlin, und Dr. Ralf Forster, Potsdam
Moderation: Prof. Dr. Andreas Nachama, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Im Rahmen des Begleitprogramms zur Sonderausstellung „Berlin 1933 – Der Weg in die Diktatur” und der Vortragsreihe „Täter und Komplizen in Theologie und Kirchen 1933–1945”)

(In Kooperation mit der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und Prof. Dr. Manfred Gailus)

Mit dem „Tag von Potsdam” inszenierten die Nationalsozialisten am 21. März 1933 die Eröffnung des neuen Reichstags, der zwei Tage später – lediglich gegen die Stimmen der Sozialdemokraten – seiner Entmachtung durch das „Ermächtigungsgesetz” zustimmte. Die kommunistischen Abgeordneten waren vom Parlament ausgeschlossen worden, zahlreiche KPD- und SPD-Abgeordnete zu diesem Zeitpunkt inhaftiert oder geflohen. Der Festtag in Potsdam begann mit Gottesdiensten für die evangelischen und die katholischen Abgeordneten. Die Hauptzeremonie mit Reichspräsident Paul von Hindenburg und Reichskanzler Adolf Hitler fand in der Garnisonkirche statt. Später folgte ein Aufmarsch von Reichswehr, SA, SS und „Stahlhelm”. Begangen am 62. Jahrestag der feierlichen Eröffnung des Reichstags des Deutschen Kaiserreichs, sollte der symbolträchtige „Tag von Potsdam” die „Versöhnung” zwischen den alten Traditionseliten und dem „neuen Deutschland” von 1933 demonstrieren. Vom Rundfunk wurde der Staatsakt vollständig übertragen.

Anhand einer Wochenschau vom 29. März 1933, die im Rahmen der Veranstaltung gezeigt wird, informiert Ralf Forster über die propagandistische Inszenierung des „Tags von Potsdam” und dessen Bedeutung als nationales Medienereignis. Manfred Gailus geht in seinem Vortrag auf die maßgebliche Mitwirkung der Kirchen am „Tag von Potsdam” und bei der Etablierung des NS-Regimes ein.

Ralf Forster, 1966 geboren, ist Filmtechnikhistoriker am Filmmuseum Potsdam. Der Medienwissenschaftler nimmt Lehraufträge an verschiedenen Universitäten wahr. Seine Dissertation erschien unter dem Titel Ufa und Nordmark. Zwei Firmengeschichten und der deutsche Werbefilm 19191945 (2005). Zu den jüngsten Veröffentlichungen gehört der Aufsatz Von der Front in die Kinos. Der Weg der PK-Berichte in die „Deutsche Wochenschau” (2010).

Manfred Gailus, 1949 geboren, ist apl. Professor für Neuere Geschichte an der Technischen Universität Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Sozial- und Politikgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, v.a. Protestantismus und Nationalsozialismus. Er ist Autor und Herausgeber zahlreicher Veröffentlichungen, darunter Kirchliche Amtshilfe. Die Kirche und die Judenverfolgung im „Dritten Reich” (2008, Hg.) und Zerstrittene „Volksgemeinschaft”. Glaube, Konfession und Religion im Nationalsozialismus (2011, hg. mit Armin Nolzen).

Andreas Nachama ist Geschäftsführender Direktor der Stiftung Topographie des Terrors.

Vortragsreihe „Täter und Komplizen in Theologie und Kirchen 1933–1945” (Flyer, PDF)