Dienstag, 2. Dezember 2014 19:00 Uhr

Von Hexenforschern und Kulturplünderern. Das obskure Amt VII des Reichssicherheitshauptamts

Vortrag: PD Dr. Lutz Hachmeister (Berlin)
Moderation: Prof. Dr. Michael Wildt (Berlin)

Topographie des Terrors
Niederkirchnerstraße 8 10963 Berlin
Eintritt frei

Im Rahmen der Reihe Das Reichssicherheitshauptamt. NS-Terror-Zentrale im Zweiten Weltkrieg

(Gemeinsam mit dem Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin)

Mit dem Amt VII (zunächst Amt II) wurde im 1939 geschaffenen Reichssicherheitshauptamt ein Amt zur wissenschaftlichen Gegnerforschung eingerichtet, das als ein Amt des Sicherheitsdiensts (SD) der SS gleichberechtigt neben den beiden anderen SD-Ämtern (Inland und Ausland) sowie den zentralen Exekutivbereichen der Geheimen Staatspolizei und der Kriminalpolizei stehen sollte. Nach der Konzeption des Amtschefs Franz Alfred Six war es insbesondere Aufgabe dieses Amts, die „weltanschaulichen Gegner” zu erforschen: „Freimaurerei”, „Judentum”, „Politische Kirchen”, „Marxismus” und „Liberalismus”.
In seinem Vortrag untersucht Lutz Hachmeister die ambitionierten Pläne von Franz Alfred Six für das akademisch ausgerichtete Amt und fragt nach den Gründen für dessen Umstrukturierung im Verlauf des Krieges. Nachgezeichnet wird, dass das Amt VII schon bald überwiegend als Archiv-, Presse- und Auskunftsdienst fungierte und am Raub von Bibliotheken, Archiven und anderen Sammlungen aus den besetzten Gebieten Europas und der Sowjetunion wesentlich beteiligt war.

Lutz Hachmeister, 1959 geboren, ist Direktor des Instituts für Medien- und Kommunikationspolitik in Berlin und lehrt Journalistik an der Technischen Universität Dortmund. Er arbeitet als Filmregisseur und -produzent und war u.a. Direktor des Adolf-Grimme-Instituts. Zu seinen Veröffentlichungen gehören Der Gegnerforscher. Die Karriere des SS-Führers Franz Alfred Six (1998), Die Herren Journalisten. Die Elite der deutschen Presse zwischen Nationalsozialismus und Bundesrepublik Deutschland (2002, hg. mit Friedemann Siering), Das Goebbels-Experiment. Propaganda und Politik (2005, hg. mit Michael Kloft) und Heideggers Testament. Der Philosoph, der SPIEGEL und die SS (2014).

Michael Wildt, 1954 geboren, ist Professor für Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert mit Schwerpunkt im Nationalsozialismus an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er hat zahlreiche Studien zum NS-Terror publiziert, darunter Generation des Unbedingten. Das Führungskorps des Reichssicherheitshauptamts (2002, durchges. und akt. Neuausgabe 2008).