Donnerstag, 11. Dezember 2014 19:00 Uhr

Vom Heldentod zum leidenden Opfer? Überlegungen zur „postheroischen” Erinnerungskultur

Prof. Dr. Andreas Wirsching, München
Moderation: Prof. Dr. Andreas Nachama, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin Kreuzberg
Eintritt frei

(Gemeinsam mit dem Institut für Zeitgeschichte München-Berlin)

Das Zeitalter der Weltkriege hat die europäische Erinnerungskultur fundamental verändert. Insbesondere erodierte unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs die im Kontext von Nationsbildung und revolutionärem Heldentum lange Zeit dominierende „heroische” Erinnerungskultur des 19. Jahrhunderts. Sie wurde zunehmend überlagert oder sogar ersetzt durch das Erinnern an das Leid, das den unzähligen Opfergruppen der Weltkriegszeit zugefügt wurde und das am Ende nichts wirklich „Heroisches” mehr ins Feld führen kann. Dieses Thema betrifft keineswegs nur die europäische, sondern auch die Globalgeschichte. Der Vortrag stellt die Frage, inwieweit sich seit 1945 ein tiefgreifender, möglicherweise sogar globaler Wandel vollzieht: Wieweit ist nämlich die traditionelle öffentliche Erinnerung, die das „heroische” Opfer im Sinne eines sacrificium kommemorierte, einer Kultur gewichen, die das passive, häufig anonyme, in jedem Fall aber leidende Opfer (victima) in den Mittelpunkt stellt? Wieweit ist ein solches Gedenken Teil einer neuen, „monumentalischen” Art (Nietzsche) im öffentlichen Umgang mit Geschichte? Wieweit und in welchen nationalen Kulturen hält sich gleichwohl das traditionelle Heldengedenken? Diesen und daran anschließenden Fragen geht der Vortrag in einer vergleichenden Perspektive nach.

Andreas Wirsching, 1959 geboren, ist Direktor des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin sowie Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er lehrte als Gastprofessor u.a. in St. Louis, Missouri, USA, am Institut d’Études Politiques, Paris und an der Université de Mont-réal, Kanada. Zu seinen Veröffentlichungen gehören Vom Weltkrieg zum Bürger-krieg? Politischer Extremismus in Deutschland und Frankreich 19181933/39. Berlin und Paris im Vergleich (1999), Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert (2001, 3. Aufl. 2011) und Der Preis der Freiheit. Geschichte Europas in unserer Zeit (2012).

Andreas Nachama ist Direktor der Stiftung Topographie des Terrors.