Montag, 29. April 2013 19:00 Uhr

Vernichtung – Die deutsche Ordnungspolizei und der Judenmord im Warschauer Ghetto 1940–1943

Vortrag: Dr. Stefan Klemp, Münster
Moderation: PD Dr. Bernward Dörner, Berlin

Topographie des Terrors  Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Gemeinsam mit dem Prospero Verlag)

Der Aufstand im Warschauer Ghetto, der am 19. April 1943 begann, gilt bis heute als Symbol des jüdischen Widerstands. Ursprünglich waren für die Räumung des seit Oktober 1940 bestehenden Ghettos drei Tage geplant. Erst Mitte Mai konnte der Aufstand durch den Einsatz von SS-, Polizei- und Wehrmachtseinheiten niedergeschlagen werden.

In seinem soeben erschienenen Buch Vernichtung – Die deutsche Ordnungspolizei und der Judenmord im Warschauer Ghetto 1940–43 (2013) informiert Stefan Klemp über den Einsatz von Polizeibataillonen in Warschau, die Mordaktionen in dem unter ihrer Bewachung stehenden Ghetto, die Deportationen der Juden in die Konzentrations- und Vernichtungslager und die Zerstörung des Ghettos. Klemp untersucht charakteristische Motive und Handlungsweisen von Polizeiangehörigen, berücksichtigt aber auch die Kommandeure der Ordnungspolizei. Dabei geht er der in der NS-Täterforschung viel diskutierten Frage nach, ob es sich um „Überzeugungstäter”, „Psychopathen” oder „ganz normale Männer” gehandelt hat. In einem abschließenden Kapitel wird der Blick auf die Ermittlungen der Nachkriegsjustiz gegen Angehörige der Ordnungspolizei gelenkt, die an der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik maßgeblichen Anteil hatte.Stefan Klemp, 1964 geboren, studierte Neue Geschichte, Soziologie und Politik-wissenschaft. Er ist für das Simon Wiesenthal Center, Los Angeles, mit Recherchen zu NS-Tätern tätig und freier Mitarbeiter der Villa ten Hompel in Münster. Für die 2011 im Deutschen Historischen Museum präsentierte Ausstellung „Polizei im NS-Staat” war er Mitglied des wissenschaftlichen Beirats. Zu seinen Veröffentlichungen gehören Freispruch für das „Mord-Bataillon”. Die NS-Ordnungspolizei und die Nachkriegsjustiz (1998), „Nicht ermittelt”. Polizeibataillone und die Nachkriegsjustiz. Ein Handbuch (2005, 2. erw. Aufl. 2011), und Rücksichtslos ausgemerzt. Die Ordnungspolizei und das Massaker von Lidice (2012).

Bernward Dörner, 1956 geboren, ist Privatdozent am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehört die Geschichte des Nationalsozialismus, insbesondere die Justiz-, Polizei- und Alltagsgeschichte sowie die Holocaustforschung.