Dienstag, 10. Oktober 2017 19:00 Uhr

Verlage im Nationalsozialismus

Vortrag: Prof. Dr. h.c. mult. Senator e.h. Klaus G. Saur, München
Moderation: Prof. Dr. Peter Steinbach, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden bis Ende 1933 bereits rund  100 Verlage verboten und weitere 600 geschlossen. Etwa 800 Verleger und Buchhändler gingen in die Emigration. Der Zentralverlag der NSDAP, die Franz Eher Nachfolger GmbH, wurde zum größten Verlags- und Presseunternehmen des Deutschen Reichs und verfügte schließlich direkt und indirekt über Hunderte von Buchverlagen. Nach dem Novemberpogrom 1938 kam es zur „Zwangsarisierung” aller bis dahin noch bestehender Firmen jüdischer Inhaber. Insgesamt reduzierte sich in der NS-Zeit die Zahl der Verlage beträchtlich.
In seinem Vortrag gibt Klaus G. Saur einen Überblick über das Verlagswesen zwischen 1933 und 1945. Er unterscheidet zwischen Verlagen, die nach 1933 verboten oder sofort geschlossen wurden, Verlagen, die emigrierten oder „teilemigrierten”, den wenigen Verlagen, die kompromisslos in Deutschland weiterarbeiteten, der Mehrheit der Verlage, die weiter arbeiteten und sich mehr oder weniger anpassten oder arrangierten, Lexikonverlagen, die massiv überprüft wurden, und schließlich den Parteiverlagen. Exemplarisch skizziert Klaus G. Saur die Entwicklungen einzelner Verlage und nimmt auch die Exilverlage in den Blick.

Klaus G. Saur, 1941 geboren, ist Wissenschaftsverleger i.R. Ab 1978 entwickelte er den K. G. Saur Verlag mit Tochterunternehmen in New York, London und Paris. 1987 verkaufte er den Verlag, blieb aber bis 2003 Geschäftsführer. Unter seiner Geschäftsführung ab 2005 wurde der Berliner Verlag de Gruyter durch den Zukauf der Verlage K. G. Saur und Max Niemeyer zu einem der größten geisteswissenschaftlichen Verlage. Klaus G. Saur ist Träger hoher nationaler und internationaler staatlicher Ehrenzeichen und akademischer Würden. Zu seinen neueren Veröffentlichungen zählen die Autobiographie Traumberuf Verleger (2011), Verlage im „Dritten Reich” (2013, Hg.), Widerstand im „Dritten Reich” (2015, Hg.) und Buch macht Geschichte. Beiträge zur Verlags- und Medienforschung (2016, Mithg.).

Peter Steinbach, 1948 geboren, ist Professor i.R. für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Mannheim, Wissenschaftlicher Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand und Vorsitzender des Internationalen Beirats der Stiftung Topographie des Terrors.