Donnerstag, 8. Januar 2015 19:00 Uhr

Verführung und Hingabe: Künstler im Dienst des Nationalsozialismus

Vortrag: Prof. Dr. Wolfgang Benz, Berlin
Moderation: Prof. Dr. Andreas Nachama, Berlin

Topographie des Terrors
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Im Rahmen der Reihe Kunst im NS-Staat. Ideologie, Ästhetik, Protagonisten

Der NS-Staat förderte die Kunst wie kaum ein anderes Regime. Allerdings musste Kunst systemkonform – völkisch, nordisch, „arisch”, bodenständig – sein, d.h. dem Geschmack der Machthaber entsprechen. Verpönt und als „entartet” denunziert war deshalb die internationale Avantgarde der Bildenden Kunst, der Musik, der Literatur, des Theaters. Die Diskussion über einen „nordischen Expressionismus” wurde bald abgebrochen. Kunst wurde Bestandteil der Ideologie; deshalb blieb auch kein Raum für Künstler, die dem Rasseideal der Nationalsozialisten nicht entsprachen. Den Platz der vertriebenen Schriftsteller, Dirigenten, Regisseure, Maler und Architekten übernahmen mediokre Erscheinungen. Aber auch Künstler von Rang wie Karl Böhm, Wilhelm Furtwängler, Gustaf Gründgens oder Richard Strauss ließen sich willig in Hitlers Dienst nehmen, der sie reich belohnte. Die Geschichte der Kunst im NS-Staat ist jenseits der Strömungen von Blut- und Boden-Literatur, Herrschaftsarchitektur, Monumentalplastik und Heimatschutzstil charakterisiert durch die Verführung und Hingabe von Künstlern, die sich vom NS-Staat verpflichten ließen.

Wolfgang Benz, 1941 geboren, ist Professor em. an der Technischen Universität Berlin und war bis März 2011 Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung. Als Gastprofessor lehrte er u.a. in Australien, Bolivien, Nordirland, Österreich und Mexiko. Der Historiker ist Autor und Herausgeber zahlreicher grundlegender Werke zur deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert und zum Antisemitismus. Zu seinen neueren Veröffentlichungen gehören Geschichte des Dritten Reiches (2000), Deutsche Juden im 20. Jahrhundert. Eine Geschichte in Porträts (2011), Das Jahr 1933. Der Weg zur Hitler-Diktatur (2013), Theresienstadt. Eine Geschichte von Täuschung und Vernichtung (2013) und Der deutsche Widerstand gegen Hitler (2014).

Andreas Nachama ist Direktor der Stiftung Topographie des Terrors.

Kunst im NS-Staat. Ideologie, Ästhetik, Protagonisten (Flyer, PDF)