Samstag, 14. März 2015 14:00 Uhr

Theater und Bühne im NS-Staat | Colloquium

14.00–17.30 Uhr

Anmeldung bis 11.03.15: veranstaltungen(at)topographie.de

Topographie des Terrors
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Im Rahmen der Reihe Kunst im NS-Staat. Ideologie, Ästhetik, Protagonisten

Leitung: Dr. Peter Jammerthal, Berlin

Ämterverflechtung und Polykratie: Die Politik der Reichstheaterkammer und der Reichsdramaturgie
Dominik Frank M.A., München
Reichstheaterkammer, Reichsdramaturgie, der „Kampfbund für deutsche Kultur” u.a. schufen zwar ein umfassendes Kontrollsystem für die Theater im NS-Staat, es ergaben sich durch die polykratische Kompetenzenverteilung und -verflechtung jedoch unbeabsichtigte Möglichkeiten von künstlerischen Freiräumen.

Vom Gemeinschaftssound zur vergemeinschafteten Vogelperspektive: Thingspiel und Medienentwicklung
Dr. Evelyn Annuß, Bochum
Das Thingspiel – das chorisch-kultische NS-Massentheater ab 1934 – steht im Zusammenhang mit dem propagandistischen Gebrauch des Radios. Nach den Olympischen Spielen 1936 wird es von spektakulären Stadioninszenierungen abgelöst, die von einer geteilten Perspektive anstelle von Teilhabesuggestion aus gedacht werden.

Pause

Ausdruckstanz im Nationalsozialismus – Von der Weimarer Moderne zur NS-Kulturavantgarde
Dr. Geertje Andresen, Berlin
Der freie Ausdruckstanz wurde im Nationalsozialismus als Deutscher Tanz umfassend gefördert, sofern die Tänzer volkstümliche Tänze und völkische Themen aufführten. Viele Tänzer arrangierten sich mit der NS-Kulturpolitik.

Die „erste Bühne des Reichs”. Gustaf Gründgens und das Berliner Staatstheater
Dr. Peter Jammerthal, Berlin
Das Berliner Staatstheater unter Gründgens, das die NS-Kulturpolitik als Beweis für die „Gesundung” des Theaterwesens herausstellte, wurde nach 1945 von manchen als „Insel” im „braunen Sumpf” beschrieben – ein aufschlussreiches, nur scheinbares Paradoxon.

Im Anschluss an die Referate und am Ende der Veranstaltung besteht Gelegenheit zur Diskussion.

Geertje Andresen, 1962 geboren, studierte Germanistik und Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin und arbeitete von 1985 bis 1995 in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Sie forscht zur „Roten Kapelle” und zum Ausdruckstanz im 20. Jahrhundert.

Evelyn Annuß ist Theater-/Literaturwissenschaftlerin und Kuratorin. Nach einem DFG-Projekt zum Thingspiel an der Ruhr-Universität Bochum schließt sie gerade ihre Habilitation zu NS-Masseninszenierungen und medialem Wandel ab.

Dominik Frank, 1983 geboren, studierte Theaterwissenschaft, Literatur und Philosophie. Er promoviert im Rahmen des Forschungsprojekts „Die Bayerische Staatsoper 1933–1963” am Institut für Theaterwissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Peter Jammerthal, 1968 geboren, ist Mitarbeiter und Kurator zahlreicher Ausstellungen, u.a. der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen. Am Institut für Theaterwissenschaft der FU Berlin ist er verantwortlich für die Theaterhistorischen Sammlungen.

Kunst im NS-Staat. Ideologie, Ästhetik, Protagonisten (Flyer, PDF)