Dienstag, 10. September 2013 19:00 Uhr

Tagebücher als Quelle. Zur Medienrezeption im „Dritten Reich”

Vortrag: Dr. Markus Roth
Moderation: Prof. Dr. Wolfgang Benz

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Im Rahmen der Ausstellung „Zwischen den Zeilen? Zeitungspresse als NS-Macht­instrument”)

Durch das Erscheinen der Tagebücher von Victor Klemperer in den 1990er Jahren wurde das Genre „Tagebuch” neu entdeckt. Bis in die jüngste Zeit sind eine Reihe weiterer Tagebücher herausgegeben worden, die in der NS-Zeit geschrieben worden sind. Dazu gehören die Kriegstagebücher des Schriftstellers Erich Kästner, des Justizinspektors Friedrich Kellner und des Heeresrichters Werner Otto Müller-Hill sowie das Tagebuch des Rechtsanwalts Kurt F. Rosenberg aus Hamburg.
In seinem Vortrag zeigt Markus Roth anhand dieser Tagebücher, welche Medien im „Dritten Reich” rezipiert wurden und welche Bedeutung ihnen zugemessen wurde. Er beschreibt, welche Informationen der Presse, des Rundfunks und Films die Verfasser der Tagebücher aufnahmen, wie sie auf die nationalsozialistische Propaganda und die Manipulation der Berichterstattung reagierten, was sie „zwischen den Zeilen” erkannten und welche Bewertungen sie vornahmen. Konkreter zu fassen ist damit auch, was die deutsche Bevölkerung zu welchem Zeitpunkt über die NS-Verbrechen und den Kriegsverlauf wissen konnte.

Markus Roth, 1972 geboren, ist stellvertretender Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur an der Universität Gießen. Er absolvierte ein Studium der Germanistik, Geschichte und Westslawischen Philologie. Zu seinen Veröffentlichungen gehören Herrenmenschen. Die deutschen Kreishauptleute im besetzten Polen – Karrierewege, Herrschaftspraxis und Nachgeschichte (2009) sowie die gemeinsam mit Andrea Löw verfassten Bände Juden in Krakau unter deutscher Besatzung 1939–1945 (2011) und Das Warschauer Getto. Alltag und Widerstand im Angesicht der Vernichtung (2013). Roth ist Mitherausgeber der zweibändigen Ausgabe Friedrich Kellner. „Vernebelt, verdunkelt sind alle Hirne.” Tagebücher 1939–1945 (2011).

Wolfgang Benz, 1941 geboren, ist Professor em. an der Technischen Universität Berlin und war bis März 2011 Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung. Der Historiker ist Autor und Herausgeber zahlreicher Werke zur deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert und zur Vorurteilsforschung.

„Zwischen den Zeilen?” Begleitprogramm (PDF)