Dienstag, 22. Oktober 2013 19:00 Uhr

Reichskirchenminister Hanns Kerrl und sein Ministerium

Vortrag: Dr. Hansjörg Buss, Berlin
Moderation: Prof. Dr. Manfred Gailus, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium 
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Im Rahmen der Vortragsreihe „Täter und Komplizen in Theologie und Kirchen”)

(In Kooperation mit der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und Prof. Dr. Manfred Gailus)

Hanns Kerrl (1887–1941), zunächst „Reichsminister ohne Geschäftsbereich”, wurde im Juli 1935 von Adolf Hitler mit den „kirchlichen Angelegenheiten“ beauftragt, nachdem es dem nationalsozialistischen Reichsbischof Ludwig Müller nicht gelungen war, die „Gleichschaltung” der evangelischen Landeskirchen durchzusetzen und eine einheitliche Reichskirche zu schaffen. Aber auch Kerrls Politik, mit Hilfe von „Kirchenausschüssen” zu einer Neuordnung der vielfach zerstrittenen evangelischen Kirchen zu gelangen, scheiterte. Seine Vorstellungen einer Synthese von Nationalsozialismus und Christentum stießen nicht nur innerhalb der Kirche, sondern auch bei den kirchenfeindlichen Kräften in der NSDAP-Führung auf Widerstand. Parallel zur zunehmenden Marginalisierung des Kirchenministers ab 1937 wuchs der Verfolgungsdruck des NS-Regimes auf die Kirchen, der vermehrte Verhaftungen katholischer und  evangelischer Geistlicher zur Folge hatte.
In seinem Vortrag informiert Hansjörg Buss über die Gründung des Reichskirchenministeriums und die Konsequenzen für die Entwicklungen des Kirchenkampfes. Näher beleuchtet werden auch der Werdegang Hanns Kerrls sowie der wichtigsten Mitarbeiter seines Ministeriums.

Hansjörg Buss, 1971 geboren, ist als freiberuflicher Historiker tätig. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität des Saarlandes, Fachbereich Evangelische Theologie, bearbeitete er zuletzt das Forschungsprojekt „Günter Jacob (1906–1993): Kirchenverständnis, Zeitdiagnose und kirchliches Handeln”. Er absolvierte ein Studium der Mittleren und Neueren Geschichte an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Buss hat diverse Aufsätze zur kirchlichen Zeitgeschichte publiziert und ist Mitherausgeber von Eine Chronik gemischter Gefühle. Bilanz einer Wanderausstellung. Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 19331945 (2005). Seine Dissertation erschien 2011 unter dem Titel „Entjudete” Kirche. Die Lübecker Landeskirche zwischen christlichem Antijudaismus und völkischem Antisemitismus (19181950).

Manfred Gailus, 1949 geboren, ist apl. Professor für Neuere Geschichte am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Sozial- und Politikgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts und die Protestantismusgeschichte. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen vorgelegt, darunter Zerstrittene „Volksgemeinschaft”. Glaube, Konfession und Religion im Nationalsozialismus (2011, hg. mit Armin Nolzen).

Vortragsreihe „Täter und Komplizen in Theologie und Kirchen”, Teil 2 (PDF)