Dienstag, 26. Mai 2015 19:00 Uhr

NS-Lebensraumideologie und deutsche Besatzungsrealität in Polen und der Sowjetunion

Vortrag: Dr. Christoph Dieckmann, Frankfurt/M.
Moderation: Andreas Sander, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Gemeinsam mit der Initiative „Gedenkort für die Opfer der NS-Lebensraumpolitik”)

Eroberung von deutschem „Lebensraum” in Osteuropa und eine rassenideologische Sicht auf die osteuropäische Bevölkerung als „minderwertige Slawen” waren zentrale Elemente nationalsozialistischer Ideologie und gehörten zu den Grundlagen des Vernichtungskrieges gegen Polen und die Sowjetunion. Dieser deutsche „Lebensraum” sollte durch millionenfache Vernichtung oder Vertreibung der Bevölkerung geschaffen werden. Während die Kriegslage die langfristigen Neuordnungsplanungen bald in den Hintergrund treten ließ, waren die deutsche Kriegführung und Besatzungsherrschaft durch massenhafte Vernichtung von Teilen der Zivilbevölkerung sowie der sowjetischen Kriegsgefangenen geprägt. Gleichzeitig wurde mit anderen Teilen der Bevölkerung kooperiert.
Welche Bedeutung hatten in dieser Politik Grundsatzplanungen wie der „Hungerplan” und der „Generalplan Ost”, welches Gewicht besaßen taktische Erwägungen? Und fanden sich wesentliche Unterschiede in der Behandlung der verschiedenen Ethnien Polens und der Sowjetunion? Christoph Dieckmann geht in seinem Vortrag diesen Fragen nach.

Christoph Dieckmann, 1960 geboren, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fritz Bauer Institut in Frankfurt/M. und Mitglied der Forscher- und Expertengruppe der „Internationalen Kommission für die Untersuchung der Verbrechen der nationalsozialistischen und sowjetischen Besatzungsregime in Litauen”. Von 2005 bis 2014 lehrte er moderne europäische Geschichte an der Keele University, Großbritannien. Dieckmann hat zahlreiche Veröffentlichungen vorgelegt. Für sein zweibändiges Werk Deutsche Besatzungspolitik in Litauen 1941–1944 (2011) wurde er 2012 mit dem Yad Vashem International Book Prize for Holocaust Research ausgezeichnet.

Andreas Sander ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Topographie des Terrors und Kurator der Dauerausstellung „Topographie des Terrors. Gestapo, SS und Reichssicherheitshauptamt in der Wilhelm- und Prinz-Albrecht-Straße”.

Die Veranstaltung ist gefördert durch die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft” (EVZ).