Dienstag, 27. Mai 2014 19:00 Uhr

NS-Krankenmorde in der besetzten Sowjetunion

Podiumsgespräch: PD Dr. Gerrit Hohendorf, München, und Olga Goleta, Berlin
Moderation: Uwe Neumärker, Berlin

Topographie des Terrors  Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Begleitprogramm zur Ausstellung erfasst, verfolgt, vernichtet. Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus

(Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde und der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas)

Während des Kriegs gegen die Sowjetunion wurden nach bisherigen Forschungen mindestens 17.000 sowjetische Psychiatriepatienten ermordet. An den Mordaktionen waren Wehrmachtsdienststellen, Zivilverwaltung und Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD beteiligt. Die Patienten wurden Opfer von Massenerschießungen, wurden durch Gas, Gift oder Sprengstoff ermordet oder dem Hungertod preisgegeben. Als „Slawen” und als „Kranke” waren sie doppelt stigmatisiert. Bereits mit Kriegsbeginn im Herbst 1939 hatte der Massenmord an Patienten im eroberten Polen begonnen, der auch nach dem offiziellen Stopp der zentral gesteuerten „Aktion T4” im August 1941 im gesamten Deutschen Reich und in vielen besetzten Gebieten, insbesondere im Osten, fortgesetzt wurde.
Im Podiumsgespräch geben Gerrit Hohendorf und Olga Goleta einen Überblick über die NS-Krankenmorde in der besetzten Sowjetunion und ordnen sie in den Kontext des nationalsozialistischen „Euthanasie”-Programms ein.

Gerrit Hohendorf, 1963 geboren, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin an der Technischen Universität München. Nach einem Studium der Medizin und evangelischen Theologie absolvierte er eine Weiterbildung zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Er ist Mitherausgeber des Bandes Die nationalsozialistische „Euthanasie”-Aktion „T4” und ihre Opfer. Geschichte und ethische Konsequenzen für die Gegenwart (2010) und gemeinsam mit Ulrike Winkler Verfasser des Aufsatzes „Nun ist Mogiljow frei von Verrückten”. Die Ermordung der PsychiatriepatientInnen in Mogilew 1941/42 (2010).

Olga Goleta, 1987 geboren, ist derzeit Internationale Parlament-Stipendiatin im Deutschen Bundestag. Sie studierte Geschichte und Pädagogik an der Belarussischen Staatlichen Universität Minsk sowie Geschichte und Politik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. 2009 schrieb sie ihre Diplomarbeit über NS-Verbrechen gegen Patienten psychiatrischer Anstalten in Belarus in der Zeit des deutsch-sowjetischen Kriegs (1941–1944).

Uwe Neumärker, 1970 geboren, ist Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, die den künftigen Gedenk- und Informationsort für die Opfer der national­sozialistischen „Euthanasie”-Morde an der Tiergartenstraße 4 betreuen wird.