Dienstag, 28. Mai 2013 19:00 Uhr

Mythos Theresienstadt: Das Ghetto im kulturellen Gedächtnis der Nachwelt

Vortrag: Prof. Dr. Wolfgang Benz, Berlin
Moderation: Prof. Dr. Andreas Nachama, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Von 1941 bis 1945 wurde die böhmische Garnisonsstadt Theresienstadt von den Nationalsozialisten als Ghetto für insgesamt 141.000 erst tschechischer, dann deutscher und österreichischer und auch holländischer und dänischer Juden genutzt. Nur 23.000 Menschen überlebten.
In seinem Vortrag informiert Wolfgang Benz über die Geschichte des Ghettos Theresienstadt, berichtet über dessen Strukturen, die „Jüdische Selbstverwaltung” und den Alltag und führt anhand einzelner biographischer Skizzen auch individuelle Schicksale der Opfer vor Augen. Mit Blick auf die Rezeptionsgeschichte des Ghettos widerlegt Benz den Mythos, dass in Theresienstadt die Existenzbedingungen besser gewesen seien als in anderen Lagern und der Ort – wie von den Nationalsozialisten propagiert – ein „bevorzugter Ort” für deutsche Juden bzw. ein privilegiertes „Altersghetto” gewesen sei. Obwohl es ein einzigartiges kulturelles Leben im Ghetto gab, war Theresienstadt eine Station der „Endlösung der Judenfrage”: Der Ort war von Hunger, Elend und einer hohen Sterblichkeit geprägt und als „Durchgangsghetto” konzipiert, von dem aus die Juden in die Vernichtungslager weiterdeportiert wurden.

Wolfgang Benz, 1941 geboren, ist Professor em. an der Technischen Universität Berlin und war bis März 2011 Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung. Als Gastprofessor lehrte er u.a. in Australien, Bolivien, Nordirland, Österreich und Mexiko. Der Historiker ist Autor und Herausgeber zahlreicher grundlegender Werke zur deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert und zum Antisemitismus. Zu seinen aktuellen Veröffentlichungen gehören Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager (2005–2009, hg. mit Barbara Distel), Deutsche Juden im 20. Jahrhundert. Eine Geschichte in Porträts (2011), Das Jahr 1933. Der Weg zur Hitler-Diktatur (2013) und Theresienstadt. Eine Geschichte von Täuschung und Vernichtung (2013).

Andreas Nachama ist Geschäftsführender Direktor der Stiftung Topographie des Terrors.