Samstag, 13. Juni 2015 14:00 Uhr

Musik im NS-Staat | Colloquium

14.00–17.30 Uhr

Programmberatung: Prof. Dr. Friedrich Geiger

Anmeldung bis 10.06.15: veranstaltungen(at)topographie.de

Topographie des Terrors
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Im Rahmen der Reihe Kunst im NS-Staat. Ideologie, Ästhetik, Protagonisten

Der Schein der Autonomie. Anspruch und Realität der Reichsmusikkammer
Dr. Albrecht Dümling, Berlin
Viele Musiker begrüßten zunächst die Reichsmusikkammer, hatten sie sich doch schon lange eine einheitliche Standesorganisation erhofft. Goebbels hielt an dem Autonomieanspruch fest, übernahm dann aber immer deutlicher selbst die Macht.

Hans Pfitzner und seine Stellung im „Dritten Reich” – Ein Außenseiter mit schlechtem Ruf
Dr. Sabine Busch-Frank, München
Während Pfitzners Werke heute nur vereinzelt aufgeführt werden, steht seine Biographie unverändert im Fokus: Die Diskussionen über sein politisches Verhalten als Zeitgenosse der Nationalsozialisten einerseits und sein deutschnationales, streckenweise antisemitisch gefärbtes politisches Weltbild andererseits scheinen eindeutige Schlüsse nahezulegen.

Pause

Paul Höffers „Olympischer Schwur” (1936) – Gebrauchsmusik im NS-Staat
Jean Christophe Gero M.A., Berlin
Obwohl der Komponist Paul Höffer (1895–1949) nie Mitglied der NSDAP gewesen war und er sich in seinen erhaltenen Tagebüchern durchaus kritisch zum Nationalsozialismus äußerte, gelang es, den u.a. von der Jugendmusikbewegung beeinflussten Schreker-Schüler für Auftragswerke wie den „Olympischen Schwur” zu vereinnahmen.

Unterhaltungsmusik im „Dritten Reich”
Dr. Christoph Dompke, Berlin
Die Unterhaltungsmusik der Weimarer Republik war durch jüdische Komponisten und Texter geprägt. Nach deren Vertreibung füllten die verbliebenen Künstler das entstandene Vakuum und führten dabei die Tradition auf frappierende Weise fort.

Sabine Busch-Frank, 1973 geboren, studierte Theaterwissenschaft, Kunstgeschichte und neuere deutsche Literatur und promovierte 1999. 2002 erschien ihr Buch Hans Pfitzner und der Nationalsozialismus. Ein konservativer Komponist und die Kulturpolitik der NS-Zeit.

Christoph Dompke, 1965 geboren, studierte Musikwissenschaft und Literaturwissenschaft an den Universitäten Hamburg und Wien, er promovierte über Unterhaltungsmusik und NS-Verfolgung in Hamburg. Christoph Dompke ist Teil des Comedyduos „Emmi & Willnowsky”.

Albrecht Dümling, 1949 geboren, ist Musikwissenschaftler und -kritiker sowie Kurator der weltweit gezeigten Ausstellung „Entartete Musik”. Seit 1990 leitet er den Verein „musica reanimata”, der sich für NS-verfolgte Komponisten und ihre Werke einsetzt.

Jean Christophe Gero, 1976 geboren, ist wissenschaftlicher Angestellter an der Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz. Er ist u.a. auch für die Erschließung von Nachlässen der Musikabteilung zuständig.

Kunst im NS-Staat. Ideologie, Ästhetik, Protagonisten (Flyer, PDF)