Dienstag, 5. November 2013 19:00 Uhr

Mit Herz und Verstand – Protestantische Frauen im Widerstand gegen die NS-Rassenpolitik

Grußwort: Dr. Clemens Vollnhals, Stellv. Direktor des Hannah-Arendt-Instituts, Dresden

Vorträge:
Die Berliner Historikerin und Pädagogin Dr. Elisabeth Abegg (1882–1974) – Eine Gerechte unter den Völkern
Martina Voigt, Berlin
Die Pfarrfrau Agnes Wendland (1891–1946) von der Berliner Gethsemane-Gemeinde mit ihren Töchtern Ruth und Angelika
Barbara Schieb, Berlin

Einführung und Moderation: Prof. Dr. Manfred Gailus, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Gemeinsam mit der Gedenkstätte Deutscher Widerstand und dem Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V. an der Technischen Universität Dresden)

Über viele Jahrzehnte fanden in der Geschichtsschreibung zum protestantischen Kirchenkampf im „Dritten Reich” überwiegend Männer Beachtung – insbesondere Bischöfe, Theologieprofessoren und Pfarrer, kaum jedoch widerständige Frauen.
Das von Manfred Gailus und Clemens Vollnhals herausgegebene Buch Mit Herz und Verstand – Protestantische Frauen im Widerstand gegen die NS-Rassenpolitik (2013) stellt in elf biographischen Beiträgen „protestierende Protestantinnen” der Kirchenopposition vor. Ihnen gemeinsam ist, dass sie ihre Stimme gegen die nationalsozialistische Rassenpolitik erhoben und praktische Solidarität mit den verfolgten Juden übten. Dieses Engagement, das die Frauen als selbstverständliche Bezeugung ihres christlichen Glaubens verstanden, konnte lebensgefährlich sein. Mit ihrer Kritik am weitverbreiteten religiösen Antijudaismus in den Kirchen und an der Verfolgungspolitik des NS-Regimes standen sie nicht nur im offenen Gegensatz zur NS-hörigen Amtskirche. Sie fanden auch in Kreisen der Bekennenden Kirche kaum Gehör. Nach 1945 blieb die Würdigung des selbstlosen Einsatzes und mutigen Widerstands dieser Frauen weitgehend aus.

Martina Voigt, 1960 geboren, ist freie Mitarbeiterin der Gedenkstätte Stille Helden in der Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Zu den Veröffentlichungen der Historikerin gehört der Aufsatz Grüße von „Ferdinand. Elisabeth Abeggs vielfältige Hilfe für Verfolgte (2006).

Barbara Schieb, 1958 geboren, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Gedenkstätte Stille Helden in der Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Zu den Publikationen der Historikerin zählt Frederick Weinstein. Aufzeichnungen aus dem Versteck. Erlebnisse eines polnischen Juden 1939–1946 (2006, hg. und mit einem Kommentar versehen, zus. mit M. Voigt).

Manfred Gailus, 1949 geboren, ist apl. Professor für Neuere Geschichte am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen zur Geschichte des Protestantismus und des Nationalsozialismus vorgelegt, darunter Mir aber zeriss es das Herz. Der stille Widerstand der Elisabeth Schmitz (2. Aufl. 2011).