Dienstag, 27. Januar 2015 19:00 Uhr

Mahnort Güterbahnhof Moabit

Buchpräsentation: Dr. Alfred Gottwaldt, Berlin
Moderation: Prof. Dr. Andreas Nachama, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Etwa 55.000 Juden wurden im Zweiten Weltkrieg aus Berlin deportiert und zumeist ermordet. Die Transporte fuhren von den Stationen Grunewald und Moabit sowie vom Anhalter Bahnhof ab. Ziele waren Litzmannstadt, Minsk, Kowno, Riga, Warschau, der Distrikt Lublin und Theresienstadt, zuletzt Auschwitz.
In dem neuen Buch „Mahnort Güterbahnhof Moabit” (2015) beschreibt Alfred Gottwaldt am Beispiel des Güterbahnhofs Moabit detailliert die Struktur der „Judentransporte” aus der Reichshauptstadt. Zugleich wird der Weg durch den Stadtteil vom Sammellager Levetzowstraße zum Bahnhof nachgezeichnet, den mehr als 25.000 Menschen gehen mussten. Abschließend werden in kurzen Skizzen einige Lebensläufe von Menschen gezeigt, die über Moabit deportiert wurden und nicht zurückkehrten. Der Band enthält ein besonderes Dokument: die Erinnerungen von Hildegard Henschel (1897–1983), der Ehefrau des damaligen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, an ihren Dienst innerhalb der Gemeinde während der Deportationsphase vom Herbst 1941 bis zur Jahresmitte 1943.

Alfred Gottwaldt, 1949 geboren, absolvierte ein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften sowie der Neueren Geschichte und arbeitete danach als Rechtsanwalt. Von 1983 bis 2014 war er Leiter der Abteilung Schienenverkehr im Deutschen Technikmuseum in Berlin. Er hat zahlreiche Publikationen vorgelegt, darunter die gemeinsam mit Diana Schulle verfasste Studie Die „Judendeportationen” aus dem Deutschen Reich 1941–1945. Eine kommentierte Chronologie (2005), Eisenbahner gegen Hitler. Widerstand und Verfolgung bei der Reichsbahn 1933–1945 (2009), Die Reichsbahn und die Juden 1933–1939. Antisemitismus bei der Eisenbahn in der Vorkriegszeit (2011) sowie zuletzt Paul Levy. Ingenieur der Hedschasbahn und der Reichsbahn (2014).

Andreas Nachama ist Direktor der Stiftung Topographie des Terrors. Die Stiftung hat den Text einer Informationstafel verfasst, die seit 2007 in der Quitzowstraße, vor einem Zugang des ehemaligen Güterbahnhofs Moabit, an die Deportation der Juden von diesem Bahnhof erinnert.