Dienstag, 4. April 2017 19:00 Uhr

Kontinuitäten und Diskontinuitäten der Wehrmachtjustiz. Planungen einer Wehrstrafgerichtsbarkeit in der Bundesrepublik Deutschland

Vortrag: Dr. Albrecht Kirschner, Marburg
Moderation: Dr. Magnus Koch, Hamburg

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Begleitveranstaltung zur Ausstellung „‚Was damals Recht war ...’ – Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht” (24. März bis 17. April 2017)

(Gemeinsam mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas)

Während des Zweiten Weltkriegs verhängten Gerichte der Wehrmacht insgesamt mehr als 30.000 Todesurteile. Diese richteten sich insbesondere gegen Deserteure, Kriegsdienstverweigerer und „Wehrkraftzersetzer”. Trotz der Erfahrung mit der Willkür der Wehrmachtgerichte wurde 1956 im Zuge der Wiederbewaffnung der Bundesrepublik Deutschland mit einer Grundgesetzergänzung die Möglichkeit geschaffen, im Verteidigungsfall und bei Auslandseinsätzen Wehrstrafgerichte einzurichten.
In seinem Vortrag beschreibt Albrecht Kirschner die Planungen zur Einführung des bundesdeutschen Wehrstrafrechts sowie zu Wehrstrafgerichten im Verteidigungsfall und fragt nach Kontinuitäten und Diskontinuitäten der Wehrmachtjustiz.

Albrecht Kirschner, 1965 geboren, ist als freiberuflicher Historiker tätig. Von 2012 bis 2015 war er Leiter der Geschäftsstelle der „Unabhängigen Wissenschaftlichen Kommission beim Bundesministerium der Justiz zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit” an der Universität Marburg. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Kommission befasste er sich vor allem mit dem Thema „Wehrstrafgerichtsbarkeit”. Zu seinen Veröffentlichungen gehört Deserteure, Wehrkraftzersetzer und ihre Richter. Marburger Zwischenbilanz zur NS-Militärjustiz vor und nach 1945 (2010, Hg.).

Magnus Koch, 1967 geboren, lebt als freier Historiker und Ausstellungsmacher in Hamburg. Er ist Co-Kurator der Wanderausstellung „‚Was damals Recht war ...’ – Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht”.