Dienstag, 15. Oktober 2013 19:00 Uhr

Kontinuität oder Neubeginn? Presse und journalistische Karrieren in Westdeutschland nach 1945

Podiumsgespräch: Prof. Egon Bahr und Dr. Peter Jochen Winters
Moderation: Prof. Dr. Andreas Nachama

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Im Rahmen der Ausstellung „Zwischen den Zeilen? Zeitungspresse als NS-Macht­instrument”)

Für diese Veranstaltung bitten wir um Anmeldung bis 11. Oktober:
veranstaltungen(at)topographie.de, Telefon 030 2545090

Nach 1945 schufen die westlichen Besatzungsmächte grundlegend neue Strukturen für eine dezentrale und pluralistische Presse in Westdeutschland. Doch schon bald war die Presselandschaft erheblich durch das personelle Fortwirken der Presse-Elite aus der Zeit des Nationalsozialismus geprägt. Erst ab Anfang der 1960er Jahre kam es zu einer nachhaltigen Veränderung in der journalistischen Zunft.
Im Podiumsgespräch zeichnen die Zeitzeugen Egon Bahr und Peter Jochen Winters diese Entwicklung nach. Sie erörtern die Probleme der „Entnazifizierung” und informieren über Kontinuitäten journalistischer Karrieren der NS-Zeit. Gefragt wird auch, mit welchen Überzeugungen und Zielen junge Journalisten nach 1945 in Deutschland tätig wurden und wie sie Vorgesetzte und Kollegen wahrnahmen, die im Nationalsozialismus erfolgreich gewesen waren.

Egon Bahr, 1922 geboren, absolvierte nach dem Abitur eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Ab 1942 war er Soldat im Zweiten Weltkrieg, wurde jedoch 1944 aus der Armee entlassen, als die jüdische Herkunft seiner Großmutter bekannt wurde. Nach dem Krieg arbeitete Bahr zunächst als Journalist bei der Berliner Zeitung, der Allgemeinen Zeitung und beim Tagesspiegel. Von 1950 bis 1959 war er Chefredakteur des RIAS, danach Leiter des Presse- und Informationsamts des Landes Berlin. Ab 1969 war er Staatssekretär im Bundeskanzleramt, ab 1972 Bundesminister für besondere Aufgaben bzw. für wirtschaftliche Zusammenarbeit (1974–76). Von 1976 bis 1981 war er Bundesgeschäftsführer der SPD, von 1972 bis 1990 Mitglied des Deutschen Bundestags. Ab 1984 Honorarprofessor, war er bis 1994 Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik der Universität Hamburg. Bahr wurden zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen zuteil. Zu seinen Veröffentlichungen gehört „Das musst du erzählen.” Erinnerungen an Willy Brandt (2013).

Peter Jochen Winters, 1934 geboren, absolvierte ein Studium der Wirtschafts- und Politikwissenschaften, der Soziologie sowie Rechts- und Staatsphilosophie. Von 1960 bis 1967 war er Redakteur der Wochenzeitung Christ und Welt, von 1968 bis 1999 der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Für seine Berichterstattung über den Auschwitz-Prozess erhielt er 1965 den „Deutschen Journalistenpreis”. Er ist Autor zahlreicher Publikationen.

Prof. Dr. Andreas Nachama ist Geschäftsführender Direktor der Stiftung Topographie des Terrors.

„Zwischen den Zeilen?” Begleitprogramm (PDF)