Dienstag, 7. Juli 2015 19:00 Uhr

Klatt. Hitlers jüdischer Meisteragent gegen Stalin: Überlebenskunst in Holocaust und Geheimdienstkrieg

Vortrag: Dr. Winfried Meyer, Berlin
Moderation: Prof. Dr. Wolfgang Benz, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Gemeinsam mit dem Metropol Verlag)

Im Krieg gegen die Sowjetunion von 1941 bis 1945 bezog der Generalstab des deutschen Heeres den Großteil seiner Informationen von einem Agenten, der in der Abwehr als „der Jude Klatt” bekannt war. Der ehemalige Wiener Immobilienmakler Richard Kauder arbeitete unter dem Decknamen Klatt als V-Mann für den militärischen Geheimdienst des NS-Regimes, um sich und seine Mutter vor Verfolgung und Ermordung zu schützen. Beide galten nach den NS-Gesetzen als „Volljuden”.
In seinem neuen Buch Klatt. Hitlers jüdischer Meisteragent gegen Stalin: Überlebenskunst in Holocaust und Geheimdienstkrieg (2015) schildert Winfried Meyer das Leben Richard Kauders in seinen wechselnden zeitgeschichtlichen Kontexten von der k.u.k. Monarchie bis zum Österreich des Kalten Krieges. Grundlage für die umfassende Studie sind die Akten der Geheimdienste diverser Staaten. Geklärt wird u.a. die Herkunft von Klatts legendären „Max”-Meldungen, die die deutschen Generalstäbe für kriegswichtig erklärt hatten und nach deren Quellen die Geheimdienste der Alliierten bis weit in die Nachkriegszeit vergeblich fahndeten.

Winfried Meyer, 1952 geboren, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin. Er hat zahlreiche Publikationen zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus, insbesondere zur Fluchthilfe für Juden während des Holocaust, zu den NS-Konzentrationslagern und zur Geheimdienstgeschichte des Zweiten Weltkriegs vorgelegt. Für seine 1993 veröffentlichte Dissertation „Unternehmen Sieben”, Hans von Dohnanyis nachrichtendienstlich getarnte Rettungsaktion für eine Gruppe Berliner Juden, ist er 2010 mit dem erstmals vergebenen Dorothee-Fliess-Preis für Widerstandsforschung der Forschungsgemeinschaft 20. Juli 1944 ausgezeichnet worden.

Wolfgang Benz, 1941 geboren, ist Professor em. an der Technischen Universität Berlin und war bis März 2011 Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung. Der Historiker ist Autor und Herausgeber zahlreicher Werke zur deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert und zur Vorurteilsforschung.