Dienstag, 3. Dezember 2013 19:00 Uhr

„Katzenmusik” und „Judenjagd”. Ausgrenzung und Ermordung der westgalizischen Juden in mikrohistorischer Perspektive

Begrüßung:
Prof. Dr. Andreas Nachama, Direktor der Stiftung Topographie des Terrors, Berlin
Vortrag:
Dr. Tim Buchen, Frankfurt/Oder
Moderation:
Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Im Rahmen der Reihe Antisemitismus in Europa 1879-1945)

(Gemeinsam mit dem Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin und der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas)

Als politisches Gebilde existierte das Königreich Galizien von 1772 bis 1918. Es gehörte zur österreichischen Monarchie und stand zunehmend unter polnischer Führung. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde es Teil der Polnischen Republik (1918–1939). Während des Zweiten Weltkriegs lag Westgalizien im „Generalgouvernement”, dem nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion auch Ostgalizien angegliedert wurde. Knapp zehn Prozent der Einwohner Galiziens waren Juden, von denen die Mehrheit der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Vernichtungspolitik zum Opfer fiel. Mit Auschwitz befand sich das größte NS-Vernichtungslager auf galizischem Boden. In seinem Vortrag nimmt Tim Buchen gewaltsame Übergriffe gegen Juden durch ihre christlichen Nachbarn von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1944 in den Blick. Aus einer mikrohistorischen Perspektive macht er Traditionen der Ausgrenzung von Juden sichtbar, beschreibt, wie sich die Zäsuren der beiden Weltkriege auf das Zusammenleben von Juden und Nichtjuden auswirkten und verdeutlicht die Einbindung der lokalen Bevölkerung in die Ermordung der westgalizischen Juden.

Tim Buchen, 1979 geboren, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Interdisziplinäre Polenstudien der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder). Er absolvierte ein Studium der Geschichte, Neueren Deutschen Literatur und Osteuropa-Studien in Berlin, Krakau und Warschau und promovierte am Zentrum für Antisemitismusforschung im Rahmen des Forschungskollegs zum Antisemitismus in Europa. Seine Dissertation erschien 2012 unter dem Titel Antisemitismus in Galizien. Agitation, Gewalt und Politik gegen Juden in der Habsburgermonarchie um 1900. Die Studie wurde mit dem Wissenschaftlichen Förderpreis des Botschafters der Republik Polen 2011 und dem Immanuel-Kant-Forschungspreis des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien 2012 ausgezeichnet.

Stefanie Schüler-Springorum ist Professorin an der Technischen Universität Berlin und Leiterin des Zentrums für Antisemitismusforschung. Sie hat zahlreiche Veröffentlichungen zur deutschen, deutsch-jüdischen und spanischen Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert vorgelegt.

Antisemitismus in Europa 1879–1945. Eine Vortragsreihe (PDF)