Dienstag, 14. Januar 2014 19:00 Uhr

Karl Themel – ein Berliner Pfarrer als Sippenforscher im „Dritten Reich”

Vortrag:
Prof. Dr. Manfred Gailus
Moderation:
Prof. Dr. Bernward Dörner

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Im Rahmen der Vortragsreihe Täter und Komplizen in Theologie und Kirchen 1933–1945)

(In Kooperation mit der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und Prof. Dr. Manfred Gailus)

Karl Themel (1890–1973), evangelischer Theologe, war von 1936 bis 1945 Leiter der „Kirchenbuchstelle Alt-Berlin“. Diese kirchliche Einrichtung stellte routinemäßig Unterlagen zum „Ariernachweis” aus und leitete die Befunde über die Herkunft evangelischer „Nichtarier” regelmäßig an die nationalsozialistische „Reichsstelle für Sippenforschung“ und andere Partei- und Staatsstellen weiter. Themel war bereits 1932 der NSDAP beigetreten und hatte sich gleichzeitig der „Glaubensbewegung Deutsche Christen” angeschlossen. 1933/34 war der national-völkisch denkende Pfarrer in kirchenpolitische Spitzenpositionen gelangt. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte Themel seine Pfarrtätigkeit fortsetzen und wurde 1954, nach seiner Pensionierung, vom Berliner Konsistorium zum Sachbearbeiter für das Archiv- und Kirchenbuchwesen berufen. 

In seinem Vortrag gibt Manfred Gailus einen Überblick über den Werdegang und das Tätigkeitsfeld des fanatischen NS-Pfarrers, thematisiert die Konsequenzen seiner antisemitisch-rassistisch motivierten „Sippenforschung” und lenkt den Blick auch auf Themels Wirken in der Nachkriegszeit.

Manfred Gailus, 1949 geboren, ist apl. Professor für Neuere Geschichte am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Sozial- und Politikgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts sowie die Protestantismusgeschichte. Er ist Autor und Herausgeber zahlreicher Veröffentlichungen, darunter Protestantismus und Nationalsozialismus. Studien zur nationalsozialistischen Durchdringung des protestantischen Sozialmilieus in Berlin (2001), Kirchliche Amtshilfe. Die Kirche und die Judenverfolgung im „Dritten Reich” (2008, Hg.) und Zerstrittene „Volksgemeinschaft”. Glaube, Konfession und Religion im Nationalsozialismus (2011, hg. mit Armin Nolzen).

Bernward Dörner, 1956 geboren, ist apl. Professor für Neuere Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der Zeitgeschichte am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehört die Geschichte des Nationalsozialismus, insbesondere die Justiz-, Polizei- und Alltagsgeschichte sowie die Holocaustforschung.