Sonntag, 9. Juni 2013 11:00 Uhr

Jüdische Reaktionen auf den Holocaust

Prof. Dr. Yehuda Bauer, Jerusalem,
im Gespräch mit Dr. Juliane Wetzel, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Um Anmeldung bis 7. Juni wird gebeten:
veranstaltungen@topographie.de, Telefon: 030 254509-0

(Gemeinsam mit dem LIT Verlag)

In Deutschland erschienen ganze Bibliotheken über den Holocaust. Gelegentlich wird die jüdische Reaktion behandelt, häufig eher am Rande. Demnach kann der Eindruck entstehen, als ob die Juden nur ein Objekt der Verfolgungen und des Genozids gewesen wären. Das ist nach Yehuda Bauer nur die eine Seite des Geschehens. Juden waren nicht nur Opfer, Objekte, sondern auch Subjekt, Gemeinschaften, die reagierten. Sie versuchten, sich zu retten, nicht nur als Einzelne, sondern auch als Kollektive, ob durch Flucht, Widerstand – unbewaffneter oder bewaffneter – oder Verhandlungen und Appelle an die gegen Deutschland kämpfenden Großmächte. Dass, gegen alle realistischen Chancen, jüdischer Widerstand eine geschichtliche Tatsache ist, belegt Yehuda Bauer in seinem Buch Jüdische Reaktionen auf den Holocaust (2012) an vielen Beispielen. Die hebräische Ausgabe erschien 1983, die englische Übersetzung 1989. Für die nun fast dreißig Jahre später vorliegende deutsche Version hat Bauer die Ergebnisse der neueren Forschung einbezogen.

Yehuda Bauer, 1926 in Prag geboren, ist Professor emeritus für Holocaust-Studien der Hebrew University in Jerusalem und war Leiter der Forschungsabteilung der Gedenkstätte Yad Vashem. Er ist Mitglied der israelischen Akademie der Wissenschaften sowie aktiver Ehrenvorsitzender der International Holocaust Remembrance Alliance. Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Geschichte des Antisemitismus, die Holocaust- und vergleichende Genozidforschung. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen in vielen Sprachen vorgelegt. Auf Deutsch erschienen: Freikauf von Juden? Verhandlungen zwischen dem nationalsozialistischen Deutschland und jüdischen Repräsentanten von 1933 bis 1945 (1996; Jews for sale?, 1994), Die dunkle Seite der Geschichte. Die Shoah in historischer Sicht. Interpretationen und Re-Interpretationen (2001; Rethinking the Holocaust, 2001), Jüdische Reaktionen auf den Holocaust (2012; Jewish Reactions to the Holocaust, 1989) und Der Tod des Schtetls (2013; The Death of the Shtetl, 2009).

Juliane Wetzel, 1957 geboren, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin. Sie ist Mitglied des Expertengremiums „Antisemitismus” des Deutschen Bundestages, der deutschen Delegation der International Holocaust Remembrance Alliance sowie Vorstandsmitglied des Wiener Wiesenthal Instituts für Holocaust-Studien.