Dienstag, 10. Juni 2014 19:00 Uhr

Judenverfolgung in Triest während Faschismus und Nationalsozialismus 1922–1945

Vortrag: Dr. René Moehrle, Trier
Moderation: Prof. Dr. Ulrich Wyrwa, Potsdam/Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Im Rahmen der Vortragsreihe Antisemitismus in Europa 1879–1945

(Gemeinsam mit dem Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin und der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas)

Die Hafenstadt Triest gehörte seit 1382 zur Habsburger Monarchie. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde sie Teil Italiens. Mit der Besetzung Norditaliens durch deutsche Truppen im September 1943 wurde Triest Regierungssitz der „Operationszone Adriatisches Küstenland” unter dem Obersten Kommissar Friedrich Rainer.
In seinem Vortrag thematisiert René Moehrle die antisemitischen Strömungen in Triest zwischen 1922 und 1945 und zeichnet Kontinuitäten und Divergenzen der Judenverfolgung während Faschismus und Nationalsozialismus nach. Für die Zeit unter Mussolini werden Ursachen des lokalen Antisemitismus behandelt, die auch für die nationale Entwicklung eine wichtige Rolle spielten. Ferner geht es um dessen Auswirkungen auf die jüdische Gemeinde von Triest, die mit 6.000 Mitgliedern die drittgrößte Italiens war. Italiens „Rassengesetze” führten in Triest zwischen 1938 und 1943 zu Flucht und Emigration von rund zwei Dritteln der lokalen jüdischen Bevölkerung. Während der deutschen Besatzungszeit ließ der Höhere SS- und Polizei-führer Odilo Globocnik in Triest mit der Risiera di San Sabba ein Durchgangslager für die Deportationen in die Vernichtungslager einrichten, das auch selbst über ein Krematorium verfügte. Schätzungen über die Zahlen der insgesamt Inhaftierten gehen weit auseinander und reichen von 7.000 bis 25.000 Personen. Unter diesen befanden sich mindestens 1.500 Juden, davon 754 aus Triest, von denen wiederum nur 39 die Shoah überlebt haben.

René Moehrle, 1977 geboren, ist wissenschaftlicher Assistent an der Universität Trier im Fachbereich Neuere und Neueste Geschichte. Er studierte Geschichte, Politik und Philosophie in Bonn und promovierte an der Universität Potsdam. Die Ergebnisse seiner mehrjährigen Forschung in Italien präsentiert die gerade erschienene Arbeit Judenverfolgung in Triest während Faschismus und Nationalsozialismus 1922–1945 (2014).

Ulrich Wyrwa, 1954 geboren, ist Professor für Neuere Geschichte an der Universität Potsdam und wissenschaftlicher Leiter des Forschungskollegs „Antisemitismus in Europa” am Zentrum für Antisemitismusforschung.