Dienstag, 11. Februar 2014 19:00 Uhr

Juden und Jugoslawen: Unter Brüdern und Mördern (1879–1945)

Vortrag: Dr. Marija Vulesica
Moderation: Prof. Dr. Ulrich Wyrwa

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Im Rahmen der Vortragsreihe Antisemitismus in Europa 1879–1945)

(In Kooperation mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und dem Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin)

Der erste, 1918 gegründete jugoslawische Staat, der bis 1929 „Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen” hieß, bestand aus unterschiedlichen Landesteilen, die zuvor zur Habsburger Monarchie oder zum Osmanischen Reich gehört hatten oder bereits selbständige Staaten, wie etwa Serbien, gewesen waren. Im April 1941 wurde dieser Staat nach dem Einmarsch deutscher Truppen zerschlagen.
In ihrem Vortrag analysiert Marija Vulesica die antisemitischen Strömungen in den Kronländern Kroatien und Slawonien sowie die verschiedenen antisemitischen Manifestationen und Denkmuster, die nach dem Ersten Weltkrieg im neuen jugoslawischen Staat auftauchten. Darüber hinaus wirft sie Schlaglichter auf das jüdische Leben und die jüdisch-christlich-muslimischen Beziehungen in den südslawischen Ländern bis 1941. Nach dem deutschen Überfall wurden die meisten Juden im besetzten und aufgeteilten Jugoslawien – vor allem in den von der kroatischen Ustaša-Regierung eingerichteten Konzentrationslagern – oder in den nationalsozialistischen Vernichtungslagern außerhalb Jugoslawiens ermordet.

Marija Vulesica, 1978 geboren, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin. Zuvor war sie Mitarbeiterin an dem Projekt „Zeugen der Shoah. Das Visual History Archive in der schulischen Bildung” an der Freien Universität Berlin. Sie studierte Geschichte, Ost- und Südosteuropäische Geschichte sowie Politikwissenschaft und promovierte am Zentrum für Antisemitismusforschung im Rahmen des Forschungskollegs zum Antisemitismus in Europa. Ihre Dissertation erschien 2012 unter dem Titel Die Formierung des politischen Antisemitismus in den Kronländern Kroatien und Slawonien 1879–1906.

Ulrich Wyrwa, 1954 geboren, ist Professor für Neuere Geschichte an der Universität Potsdam und Ko-Leiter des Forschungskollegs „Antisemitismus in Europa”. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen vorgelegt, darunter der gemeinsam mit Werner Bergmann verfasste Band Antisemitismus in Zentraleuropa. Deutschland, Österreich und die Schweiz vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart (2011).