Dienstag, 6. Mai 2014 19:00 Uhr

„Ich hatte eine Schwester, die geistig behindert war.” Erinnerungen von Angehörigen an Opfer der NS-„Euthanasie”

Podiumsgespräch: Sigrid Falkenstein und Barbara Stellbrink-Kesy (beide Berlin)
Moderation: Prof. Dr. Dr. Frank Schneider, Aachen

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Begleitprogramm zur Ausstellung erfasst, verfolgt, vernichtet. Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus

(Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde und der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas)

Kranke und behinderte Menschen gehörten zu den Verfolgten des Nationalsozialismus. In Deutschland wurden mehr als 200.000 Menschen aus Heil- und Pflegeanstalten ermordet. Nach 1945 erinnerte lange Zeit niemand an die Opfer der NS-„Euthanasie”. Auch in den betroffenen Familien wurde vielfach deren Geschichte verschwiegen.
Im Podiumsgespräch zeichnen Sigrid Falkenstein und Barbara Stellbrink-Kesy ihre Recherchen nach Familienmitgliedern nach, über deren Geschichte als Opfer der NS-Krankenmorde auch in ihren Familien geschwiegen worden ist. Sigrid Falkenstein berichtet über den Leidensweg ihrer Tante Anna Lehnkering, die 1940 im Rahmen der „Aktion T4” im Alter von 24 Jahren ermordet wurde. Barbara Stellbrink-Kesy schildert das Schicksal ihrer Großtante Irmgard Heiss, die 1944 mit 47 Jahren an den Folgen der sog. „wilden Euthanasie” starb.

Sigrid Falkenstein, 1946 geboren, wuchs im Ruhrgebiet auf und lebt seit 1971 in Berlin, wo sie als Lehrerin arbeitete. Als Mitbegründerin ist sie seit 2007 an dem von der Stiftung Topographie des Terrors einberufenen Runden Tisch zur Umgestaltung des „T4”-Gedenkorts in der Tiergartenstraße 4 beteiligt. 2012 erschien ihr unter Mitarbeit von Frank Schneider verfasstes Buch Annas Spuren. Ein Opfer der NS-„Euthanasie”.

Barbara Stellbrink-Kesy, 1952 geboren, arbeitete nach einem Pädagogikstudium als  Kunstpädagogin und Lehrerin und trat als Künstlerin auch mit eigenen Ausstellungen hervor. Spätere Studien führten zu einem Masterabschluss in Kunsttherapie. Seit 2003 ist sie als Kunsttherapeutin mit eigenem Atelier tätig. Sie ist Autorin eines Textes über Irmgard Heiss auf der Webseite des EU-Projekts gedenkort-T4.eu.

Frank Schneider, 1958 geboren, ist Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Universitätsklinikum Aachen. Er war Präsident der DGPPN und ist Mitglied in deren Vorstand. Gemeinsam mit Petra Lutz ist er Herausgeber des Ausstellungskatalogs erfasst, verfolgt, vernichtet. Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus (2014).